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1680–1747

Früchte.

Barthold Heinrich Brockes

Bishero haben wir die Erde bloß allein Als eine Wies’ und Bluhmen-Garten, Mit vieler Anmuth, angesehn. Runmehro zeigt sie sich nicht minder schön,

Als einen Hof voll Bäum’ und Früchte mancher Arten, Die nicht so gleich (o neues Wunder-Werck, So würdig, daß ich es mit Ehr-Furcht merck!) Nein, allgemach und Wechsels-weis’ entstehn.

Ich sehe solchen Baum, von welchem ieder Ast Gebogen und gekrümmt, durch seiner Früchte Last. Und deren liebliches Gepränge, Mit frohen Blicken, durch Geruch und Farb’, entdecken,

Wie niedlich säurlich süß die Früchte, deren Menge Nicht zehlbar, werden schmecken. Mich deucht, es sprech durch seiner Früchte Zier Ein solcher Baum zu mir:

Erkenne doch in meiner Pracht, Wie groß die Güte, Macht und Majestät Desjenigen, der mich für dich gemacht. Ich bin ja nicht für Jhn so reich, auch nicht für mich,

Jhm fehlet nichts, und ich Kann das, was Er mir gab, nicht brauchen. Laß Jhm zu Ehren denn dein Andachts-Opfer rauchen. Und pflücke meine Last: danck’ Jhm mit froher Brust,

Und, weil Er mich gemacht zum Werck-Zeug deiner Lust; So werde du für mich, zu dieser frohen Zeit, Ein Werck-Zeug meiner Danckbarkeit. Es kommt mir vor,

Ob höre mein vergnügtes Ohr, So gar von einem ieden Orte, Dergleichen Lehr-und Anmuth-reiche Worte. Je weiter ich nun ferner gehe,

Je mehr entdeck’ ich, höre, sehe, Und treff’ ich neue Vorwürff’ an, Die mich mit neuer Freude rühren, Die mich im Danck zum Schöpfer führen,

Und die ich nie genug bewundern kann. Bey einem ieden Schritt werd’ ich aufs neue Verändrungen gewahr, worüber ich mich freue. Hier seh ich, wie die Frucht in einer Rinde steckt:

Da hält ein schönes Fleisch den Kern verdeckt: Die dort, ist in und aussen weich: Die Frucht ist, vielen andern gleich, Aus einer Bluhm’ entsprossen: Jene hier

Kam, sonder Bluhm’ und Blüht’, aus hartem Holtz’ herfür: Die kommt, wann sich der Sommer zu uns wendet, Und jene, wann er sich geendet. Die eine fällt und welckt, wird sie nicht bald gepflückt,

Die andre reiffet nie, wo man nicht warten kann: Die hält sich lange Zeit; die bricht sich zeitig an: Durch die wirst du gestärckt, wann jene dich erquickt. Kurtz: Alles, was mein Aug’ erblickt,

Vergnüget mich an iedem Orte, Durch stets veränderten Genuß; So daß ich des Propheten Worte Für Freuden wiederholen muß:

Auf Dich, o Schöpfer aller Dinge, sind aller Augen hin gekehrt: Sie warten alle, bis daß ihnen von Dir die Nahrung wird beschehrt. Du öffnest Deine Wunder-Hand: Du sättigst alles, gie- best allen Die Nothdurft, und erfüllest alles, was lebt, mit Speis- und Wolgefallen.

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