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1680–1747

Fremde Gewächse.

Barthold Heinrich Brockes

Will iemand, in der Bluhm- und in der Pflantzen Heere, Des Schöpfers Finger deutlich sehn; Der muß in deinen Garten gehn, Von Deiner Vater-Stadt; der Du aus Asia,

Aus Africa, wie auch America Viel tausend seltene Gewächse zeigst und nährest; Wodurch Du Dein- und ihren Schöpfer ehrest. Wie ich so grosse Meng’ erblickte,

Mit welcher bunten Zierlichkeit, Mit welcher Farben Glantz und Schein, Mit welcher Bildung Unterscheid Sie die Natur so unnachahmbar schmückte;

Nahm mich fürwahr ein heiligs Schaudern ein. Die Seele ward auf eine neue Weise, Dem Schöpfer der Natur zum Preise, Indem sie auf einmahl so viele Wunder spühret,

Wie sie bisher noch nie gerühret war, gerühret. Mein gantzes Wesen ward beweget: Es drang sich durch mein Aug, in tausendfachem Schein, Solch eine Menge Zierlichkeiten,

Solch eine grosse Zahl Vollkommenheiten Auf einmahl in die Seel’, als wie ein Strahl, hinein, Befeurete mein Blut, daß es dadurch erreget, In seinem Circkel-Lauff, für Anmuth, schneller floß,

Und, mit erneuter Krafft, durch seine Gänge schoß. Der Nerven-Safft fing alle Sehnen, Mit einem sanften Druck, vergnüglich auszudehnen Und zu bewegen an. Es füllte meine Brust,

So wol als mein Gehirn, gantz eine neue Lust. Die Seel’, entflammet durch dieß Sehnen, Entzündet durch den Strahl des ewgen Weisheit-Lichts, Erzeuget’ anders nichts,

Als fast verhimmelnde Gedancken und Jdeen. Denn ieder Vorwurff zeigt’ ihr auf so manche Art, In seiner Wercke Pracht, des Schöpfers Gegenwart. Daher sie Jhm ihr Andachts-Opfer brachte

Und voller Lust und Ehrfurcht dieses dachte: „allmächtiger, und Wunder-reicher GOTT,

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