Welch ungeheure Meng' an Fischen klein und groß, Die alle Zahlen übersteiget, Wird in des weit-und tieffen Meeres Schooß, O HERR, zu Deiner Ehr, und uns zum Nutz, erzeuget!
Ich sehe diese Wasser-Thier’ Und ihre Form bewundernd an: Sie kommen mir nicht anders für, Als hätten sie nur Kopf und Schwantz allein.
Sie haben weder Arm noch Bein, Ja selbst ihr Kopf ist fest, und kann sich nicht bewegen, So daß, wenn wir nur bloß von ihnen die Gestalten Betrachten, sehn, und überlegen;
Wir anders fast nicht dencken können, Als hätte die Natur, sie zu erhalten, Denselben gar kein Mittel wollen gönnen. Doch was ich auch bey ihnen äusserlich
Für schlechtes Werck-Zeug immer finde; Sind sie dennoch so listig, so geschwinde, Und schneller sich zu nehren, sich zu retten, Als wenn sie viele Händ’ und viele Füsse hätten.
Ja der Gebrauch, den sie, beym Mangel andrer Sachen, Aus ihrem Schwantz und Floß-Gefieder machen, Treibt sie in so geschwinder Eil’, Als wie der Wind, als wie ein Pfeil.
Da sich dieß Wasser-Volck einander frisst; Wie? daß es, ohn sich aufzureiben, Annoch in seiner Art zu bleiben, Sich zu erhalten, fähig ist?
Dafür hat GOTT gesorgt: indem Er, sie zu nehren, Mit solcher Fruchtbarkeit dieselbigen versehn, Daß wenn sie sich auch noch so starck verzehren, Sie doch nicht können untergehn:
Indem dasjenige, was sie zerstöret, Bey weitem nicht so starck, als das, so sie vermehret. Nur ist mir Angst, wie doch die Kleinen Den grossen sich entziehn;
Auf welche Weise sie denselbigen entfliehn, Die sie, als ihren Raub, nur zu betrachten scheinen, Und die sie stets verfolgen: aber höret: Dieß schwache Volck ist hurtiger im Lauff’,
Auch hält es sich da, wo das Wasser seicht, Und wo die grossen es nicht leicht Verfolgen können, auf. Es scheint, ob habe GOTT sie, daß sie für Gefahren
Sich selber fähig zu bewahren, Mit einer Vorsicht ausgerüst, Die mit der Schwäch’ und Noth von gleichem Nachdruck ist. Auf welche Weise geht es an,
Daß in des Meeres Fluht, Worin ein Saltz von solcher Schärffe ruht, Daß keiner es im Munde dulden kann; Die Fische so gesund und munter leben können?
Und wie behält ein Fisch, Recht mitten in dem Saltz, sein Fleisch so süß und frisch? Woher kommts, daß die besten sich Nicht gerne weit von unsern Ufern trennen,
Und gleichsam selbst uns in die Netze rennen? Hingegen die, so nicht so nütz sind, sich bemühen Von unsern Ufern fern zu fliehen? Wie geht es zu, daß die, so in der Zeit
Der ausgelassnen Fruchtbarkeit Zu ihrem Aufenthalt entfernte Oerter nahmen, Woselbst sie zu gewisser Grösse kamen, Zu einer festen Zeit mit ungezehlten Hauffen
Den Fischern gleichsam selbst in Retz-und Barcken lauffen? Durch welchen Trieb sieht man viel Arten aus der Und zwar die niedlichsten, so häuffig sich erheben, Und in der Flüsse Mund, gantz in die Höh’,
Und zu den Quellen sich begeben; Damit, selbst aus des Meeres Gründen, Den Vortheil, auch die weit entlegnen Oerter finden? Wo ist die Hand, die sie so wunderbar regieret,
Sie leitet, und für uns so weite Wege führet? Wann es die Deine nicht, O HERR! ob iederman, Da die Versehung ja so sicht-und fühlbar ist, Daß man nichts deutlichers fast sehen kann,
Des danckens, leider! gleich gar offt dafür vergisst. Dieselbige Versehung zeiget sich An allen Arten. Sonderlich Giebt uns der Schnecken-Häuser Menge,
Die, mit unzehligem veränderten Gepränge Von Farben und Figur, des Meeres Strand bedecken, Dieselbige vor andern zu verstehn: Da kleine Fisch’ in ihren Schalen stecken,
Woran wir kaum ein Leben sehn, Und die iedoch, zu rechter Zeit, Um frisches Wasser einzusaugen, Sich öffnen, und zugleich,
Mit seltsamer Geschwindigkeit, Den überraschten Raub mit einzuziehen taugen.
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