Es stund ein starker Pfahl, auch eine schlanke Weyde
An einem breiten Fluß, der sich im Herbst ergossen.
Sie waren folglich alle beyde
Vom ausgetretnen Strom beflossen.
Nun fing der strenge Nord ergrimmt an, zu regieren,
Und durch den scharfen Hauch das Wasser zuzufrieren.
Von scharfen Schollen schwall die Strudel-reiche Fluth,
Und zeigt in Wirbeln, Schaum und Brausen, ihre Wuth,
Das Treib-Eis häufte sich, und preßt, im strengen Gange,
Was ihm entgegen stund, die Weyde beugte sich
Vor dem für sie zu starken Drange.
Indessen, daß der Pfahl nicht um ein Haar breit wich,
Und durch sich selbst gesteift, noch Kraft noch Muth verlieret.
Allein des Eises Macht ward größer, und der Pfahl
Wurd auf einmal
Heraus gerissen, weggeführet.
Die Weide fühlte zwar auch an der Rinde Wunden:
Allein, sie hub so gut, als wie zuvor,
Nachdem das Eis vorbey, das Haupt empor,
Vom Pfahl indessen ward die Stelle nicht gefunden.
Du bist, geliebtes Vaterland, wie wir in alten Schriften lesen,
Bey nicht so allgemeinem Sturm gar oft ein Weydenbaum
So sey denn auch vor diesesmal,
Da mehr, als je, die Winde stürmen,
Und keine Stützen dich beschirmen,
Wie groß dein Recht auch, doch kein Pfahl.