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1680–1747

Fabel.

Barthold Heinrich Brockes

Die Erde sahe jüngst der Lüffte schönes blau, Mit einem kleinen Neid, halb eifersüchtig an, Und sprach: stoltziere nur, mit deinem blauem Licht, So übermüthig nicht,

Weil ich, sowol als du, dergleichen zeigen kann. Schau mein Ultramarin; betrachte, wie der Pfau Jm blauen Schimmer prangt; schau den Sapphir. Vor Kann ich dir der Gentianellen

Fast blendend blan entgegen stellen. Jhr voller Glantz muß dir, Trotz deiner blauen Zier, Noch mehr als du dir selbst gefallen kannst, gefallen.

Die Lufft nahm diesen Hohn für kein Verhöhnen an; Vielmehr besahe sie, vergnügt und sonder Neid, Von diesem schönen Frühlings-Kinde, Das dem Saphir fast gleiche Kleid,

Und lispelte darauf gelinde Der Erde diese Worte zu: Ich sehe deinen Schmuck nicht sonder Freuden. Warüm besiehest du

Den meinen nicht auf gleiche Weise? Laß uns doch, ohn uns zu beneiden, Uns, da wir alle beide schön, Mit Freud und Aumuth, Dem zum Preise,

Der unser aller Quell und Ursprung ist, besehn! Laß uns vielmehr uns in die Wette schmücken; Damit, wenn Geister uns erblicken, Die mit Verstand begabt, durch ein erstaunt entzücken,

Sie in uns beyden GOTT, die Quell des Lichts, erhöhn. Denn, sonder Glantz und Strahl Desselben Sonnen- Lichts, Sind wir, nicht nur nicht schön; wir sind ein wircklich

Nichts. Laß deine schöne blaue Bluhme Denn künfftig, zu des Schöpfers Ruhme, In einem blauen Feuer blühen:

Ich will, wie vor, zu Seiner Ehr, Und zwar noch immer mehr und mehr In meinem blauen Schimmer glühen.

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