Skip to content
1680–1747

Erinnerung.

Barthold Heinrich Brockes

Sind denn vielleicht nicht auf der Welt Die Wunder, die man sieht, uns würcklich vorgestellt? Bebüschte Hügel? grüne Felder? Beblühmte Wiesen? kühle Wälder?

Gesunde Kräuter? süsse Früchte? Den nährenden Geschmack vergnügende Gerichte? Christallen-gleiche reine Bäche? So mancher Berg? so manche Fläche?

Es sind vielleicht, in süssen Chören, Die bunten Vögel nicht zu hören; Ist es vielleicht nicht wahr, daß Blumen uns erqvicken? Daß sie, für uns, die Erde schmücken?

Sieht man, nebst tausend Seltenheiten, Und ungezehlten Herrlichkeiten, Das all-erfreu’nde Sonnen-Licht Vielleicht mit unsern Augen nicht?

Ist etwann alles dieß nicht würcklich da? O ja! Ist alles denn nun würcklich da; wie man Unmöglich leugnen kann;

Warum denn sieht man es nicht an? Warum will man an aller Pracht, Warum will man an allen Schätzen Sich nicht ergetzen;

Noch loben den, der sie gemacht? Es scheint wir wollen, blos um GOtt nur nicht zu ehren, Nicht schmecken, riechen, sehn und hören. Wir sehn ja überall die Spur

Von einer gütigen Natur,

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Erinnerung. · Barthold Heinrich Brockes · Poetry Cove