Skip to content
1680–1747

Ein klares Tröpfgen.

Barthold Heinrich Brockes

Jüngst sah ich, daß an meinem Fenster ein kleines kla- res Tröpfgen hieng, Das von dem hellen Sonnen-Strahle solch einen hellen Glantz empfing,

Daß es mich reitzt’, es zu betrachten; daher ich ihm denn näher ging; Ich fand, daß es im Zimmer war, und daß durch eines Fensters Ritzen

Der Strahl so auf-als durch ihn fiel, daher ein kleines helles Blitzen, So man in freyer Luft nicht sieht, im duncklen Zimmer hell und klar,

Und, in viel Millionen Strahlen ein Sonnen-Bild, zu sehen war. Ein recht Geweb’ aus lauter Strahlen, die alle wunder- würdig klein

Und die nur durch den duncklen Grund, als eine Fulge, sichtbar seyn, Umgaben es von allen Seiten, nichts rein- und kleiners, nichts so schön,

Nichts bunt- und hellers, nichts so zart- und nettes kann das Auge sehn. Die schöne Kleinheit drang durchs Auge selbst in den Sitz der Seelen ein;

Ich dachte wie entsetzlich klein ist dieses Sonnen-Bildchen nicht Jm Gegenhalt mit seinem Urbild, dem unermeßlich gros- sen Licht,

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Ein klares Tröpfgen. · Barthold Heinrich Brockes · Poetry Cove