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1680–1747

Disputir-Kunst.

Barthold Heinrich Brockes

Willt du ruhig und beliebt, überall gelitten seyn: Disputir mit keinem Menschen, er sey vornehm oder klein. Denn, du wirst entweder siegen, Oder aber unten liegen.

Letzters kann dir nicht gefallen; ersters thut dem andern weh, Mehr, als einer Ursach halber. Sein Verstand soll von der Drauf er sich geglaubt, herunter. Dieses ist ihm ärgerlich; Und er thuts mit Widerwillen. Aber, daß zugleich er dich

Noch vernünftiger, als sich, Halten und erkennen soll; sind zween Schläg in einer Wunden, Die von seinem lieben Ich gar zu heftig sind empfunden. Und er wird, ohn allen Zweifel, dich, nebst deiner Wahrheit,

Soll er aber, sonder Haß, sich von dir besiegen lassen: Mußt du erst sein Herz gewinnen, und dazu beliebter Minen, Sanfter Töne, süsser Wörter, holden Ausdrucks dich bedienen. Bey der Tonkunst brauche ja eines freundlichen Gesichts,

Und bemüh dich, deine Schlüsse, wie mit Honig, zu versüssen. Sonsten richtest du bey allen mit den stärksten Schlüssen nichts; Und dir wird aus deiner Klugheit nichts, als bittre Wermuth,

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