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1680–1747

Die Weisheit.

Barthold Heinrich Brockes

Oft hab ich bey mir überleget, was eigentlich die Weis- heit sey. Nachdem man von derselben Wesen so vieles und so man- cherley

In mir nicht deutlichem Verstande gelehrt, geschrieben, vorgetragen; So deucht mich, daß man dieß von ihr mit allem Rechte könne sagen:

Sie sey ein Wollen und Vermögen, so Thun als Denken nach den Pflichten Der göttlich- und natürlichen Gesetze klüglich einzu- richten.

Wann wir nun finden, daß wir alle (so wie wir von uns selbst nicht seyn) Auch uns nicht selbst erhalten können; Ja daß, wenn wir uns recht betrachten, ein jeder ganz für

sich allein, Von allen andern abgesondert, mit Recht ein’ Insel sey zu nennen, Ja nicht einmahl, weil sonder Grund, den sonst ein’ Insel

hat, wir leben, Und gar nicht an der Erde fest, nur Inseln sind, die gleich- sam schweben. Da GOtt hingegen allenthalben, und wir uns nicht zu

helfen wissen, Vielmehr von Jhm unstreitig alles, so hier als dorten, haben müssen, Sowohl im Leben, als im Tode; so bleibet es gewiß dabey,

Daß in der That die Furcht des HErrn der wahren Weisheit Anfang sey.

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