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1680–1747

Die Sturm-Winde.

Barthold Heinrich Brockes

Obgleich bekannt, daß viele Winde, durch einen Luft- Strohm in der Erden, Den das in ihr verschloßne Feur mit Macht verjagt, er- zeuget werden;

So weiß man doch, daß viele Winde auch in der Wolken feuchten Höh'n, Durch Drücken, Drengen und Zersprengen der Bläsgen, die von Luft, entsteh'n.

Von welchen oft ein kleiner Land-Strich verödet, alles umgekehrt, Zerstreuet, ganz vernichtigt wird, und, eh man sichs ver- sieht, verheert,

Indem, mit gräulicher Gewalt, sie oftmahls, recht wie Bley, von oben In wilden Wirbeln abwerts stürzen, und fast auf einer Stelle toben.

Den Ursprung trifft man ebenfalls in den zersprengten Blasen an, Wenn nemlich einer Wolken Seite der Macht nicht wider- stehen kann,

Die die gedrengte Dehnungs-Kraft der eingeschloßnen Luft erreget; Daher entsteh’n oft solche Winde, wenns blitzet und der Donner schläget.

Der erste Wind, der vor sich hin den Schwarm der Wolken treibt und träget, Weht meistens im geraden Strich, wenn oft ein andrer niedriger,

Ein dritter höher ihm zuwider, und heftig ihm entgegen wehet, Wodurch der Wolken Druck und Stoß, und ein so grau- ser Sturm entstehet.

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