Jüngst, als die Nacht sich kaum verborgen, Ließ mich, im Herbst, ein heitrer Morgen Auf einmahl wunder-wunder-schön, Stat einer, sieben Sonnen sehn.
Aus sieben Fenstern auf einmahl Fiel mir, im Wiederschlag, ein siebenfacher Strahl Durch einen grünen Baum, der von der Blätter- Schon guten theils entblösset war,
Mit hellem Funckeln, ins Gesicht. Die wahre Sonne sah’ ich nicht. Jhr, durch ein ander Haus verdecktes, Licht Stand schräge, so daß es dadurch den Winckel machte,
Und eben diesen Glantz dadurch zu wege brachte. Allein Durch den verdoppelten, obgleich verkleinten Schein, Erregte sie in meiner Brust
Ein’ unausdrücklich süsse Lust. Nicht nur die sieben runden, hellen, Durchs Laub so rund formirten Stellen Durchdrungen mein Gesicht, mit einem hellen Blitze;
Es fuhr, aus ieder, eine Spitze, Die sich verbreitete in eine Menge Strahlen, Die alle feurig bunt: wodurch denn sonderlich Ein ieglichs destomehr der wahren Sonne glich.
Der Blätter grüne Dunckelheit Dient’ ihnen recht zum sanften Grunde. Es ward dadurch der Strahlen Herrlichkeit Noch eins so sehr erhoben und vermehrt:
So daß mein Hertz, für Luft, die es empfunde, Fast selber halb entzückt ward und verklärt: Zumahl als ich, durch dieß so herrliche Gepränge Der Sonnen-Bilder, auf die Menge
Der wahren Sonnen, die die Tieffe Von aller Himmel Himmel füllen, Mit einer frohen Achtung kam, Und, so dadurch zu dencken, Anlaß nahm:
Da ein, im Wiederschein nur bloß vervielfacht, Licht Von einer Sonne, selbst der Seele, durchs Gesicht, Solch eine Lust erweckt, so gar ihr inners schmücket, Erheitert und verklärt, ja fast entzücket;
In welchem klarem Licht, in welchem hellen Gläntzen Muß wunder-wunder-wunder-schön Die Tieffe sonder Grund und Grentzen, Wo Millionen Sonnen, stehn!
Wie muß im seelgen Himmel nicht Doch aller Sonnen Sonnen-Licht, Aus dessen Gottheits-Meer, sie, bloß als Tropfen, quillen, Das (so wie unsrer Sonnen-Pracht
Die Cörper nur) die Geister sichtbar macht, Mit Göttlich hellem Glantz der Himmel Himmel füllen! Auf welch entzückende beseeligende Weise Wird nicht an solchem Licht’, als ihrer Seelen-Speife,
In seelger Lust, o Schöpfer! Dir zu Ehren, Die Schaar der Seeligen sich ewig ewig nehren!
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