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1680–1747

Die Seiffen-Blase.

Barthold Heinrich Brockes

Als von meinen Söhnen einer neulich Seiffen-Blasen machte, Und ich über den Betrieb seiner Einfäll’ anfangs lachte; Ward ich endlich, da er eine, die vor andern groß und Und von wandelbaren Farben unbeschreiblich herrlich war,

Durch den wunderschönen Glantz, der recht unvergleichlich Fast gezwungen, mit Bedacht, ihre Schönheit anzusehn. Ich erstaunte, wie ich hier ein so bunt-gefärbtes Licht, In fast über-ird’schem Schimmer, ein fast brennend Roht,

Das den reinesten Smaragd, so wie jenes den Rubin, Würcklich übertraf, erblickte. Aber ein Sapphirner Und ein helles Purpur-Feuer, eine mehr als güldne Glut Nahm, mit einem schnellen Wechsel, augenblicks die Stel-

Die erst grün und roth gewesen. In dem Glantz, der nim- Sah ich mit erstarrten Blicken, als im Diamantnen Spiegel, Himmel, Erde, Häuser, Fenster, Wälder, Felder, Thal Sich in schnellen Farben bilden, als ein neues Wunder, an,

Welches alles übertraf, was man seh’n und dencken kann. Alles stand in buntem Schimmer, alles war gedoppelt Weil, was auf der obern Fläche, sich auch auf der untern Und, als wie die Luft im Wasser, alles doppelt sehen ließ;

Formen, Farben, Glantz und Licht waren rund, auch hohl zu Mich bedünckt, indem ich scharf auf die Farben in der Mit geschärften Blicken, sehe; Daß ich eine nach der andern kommen, scheinen und vergehn,

Und, an ihren vor’gen Stellen, andre schwinden und Und auch die sich ändern, finde. Weil fast nichts beständig Was erst weis war, färbt sich grün; dieses roth; das Denn erschien das weisse wieder, und die Aenderung war

Dieser Kugel Farben-Wechsel kam, wie ichs bedachte, Recht, als Da im Sommer, Herbst, und Winter und in dem be- Gelb und Roth und Weiß und Grün, wechsels Weise,

Alle Jahres-Zeiten sind auf der Welt zu gleicher Zeit, Und sie ändern ihren Ort zwar in mindrer Schnelligkeit, Aber doch auch schnell genug. Ferner ward ich noch gewahr Wie von allen Elementen gleichfals die gevierte Schaar

In dem kleinem Raum sich zeigte. In dem Grünen, in In dem Weissen, in dem Rohten, war die Erde, war die War die Luft und war die Glut, In besonderm Glantz, zu schauen.

Durch den bunten Wunder-Schein und durch gleichsam Inniglich gerühret, zog alsbald meine Seele gantz, Und mit allen ihren Kräften, in mein Auge sich zusammen. Welches, mit geschärftem Blick, den durchsicht’gen Kreis

Wie sie nun, halb selbst verklähret, gantz im Lichte schwebt’, Alles: Kugel, Glantz, Figuren, Glut und Schimmer, Ich erschrack, da, statt des Gläntzens und statt eines hellen Blick und Seele, wie der Blitz, in ein dunckel, leeres Nichts

Plötzlich sich versencket fand. Dieß zeugt’ ernstliche Und auf einem neuen Wege fand ich eine neue Spur, Durch die so veränderliche, als beständige, Natur, Zum unwandelbarem All, der ohn End’ und sonder

Was bey uns der Blasen-Kreis, ist für GOtt der Kreis Aller Jrrstern’ Kreis und Circkel, ja der allgemeinen Welt, Grosser Circkel, den er schuf, den er durch ein Wort ließ Und den blos sein Will’ allein, und sein grosses Wort

Aber den auch blos sein Wort schnell zertheilen, schnell Schnell verändern, schnell verderben, in ihr vorigs Chaos Ja (wie Blasen gar vergehn) gar in Nichts verwandeln kann. Dieses ist unwiedersprechlich; darum wenn wir Blasen sehen,

Die bald in vollkommner Ründe, Farb’ und Glantz stehn, Und in einem Huy zerstieben, denck ein jeder doch daran!

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