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1680–1747

Die sehr späte Heu-Erndte, 1740. den 4 August.

Barthold Heinrich Brockes

Gott Lob! dort fährt man endlich Heu, So, wie in vor’gen Zeiten, ein; Wodurch wir all’ erfreuet seyn, Und ich besonders mich erfreu’.

Da die fast nie erhörte Kält’, Und nie erlebte Witterung, Dem Ansehn nach, der ganzen Welt, Durch Mangel nöht’ger Fütterung,

Ein grosses Unglück, Hungers-Noht, Ja, Vieh und Menschen fast den Tod Zumtheil gewirkt, zumtheil gedroht, Ist dennoch nicht nur so viel Gras,

Zu unsers Viehes vollem Fras, In süssem Ueberfluß, erschienen; Gott hat uns auch, wie wir hier seh’n, Jm Winter unser Vieh zu dienen,

Auch auf das Künftige verseh’n. Ach, möchte kein zu starker Regen Das, was uns noch beschehret, mindern, Und uns es einzufahren hindern!

Ist man nun je, durch diesen Segen, Zu Dem, Der alle Welt regiert, In schuld’ger Dankbarkeit, geführt; So sollte man itzt überlegen,

(da wir die Folgen angeseh’n, Die, wenn nur bloß das Gras uns fehlet, Aus dessen Mangel uns entsteh’n, Da er so Vieh als Menschen quälet,)

Wie Dem Lob, Preis und Dank gebührt, Der uns, in vor’ger Jahres-Zeit, Recht augenscheinlich sehen lassen, Es sey des Grases Fruchtbarkeit

Kein schuldigs Gut; und daß wir fassen, Es schenk’ es uns kein Ungefehr, Kein blinder Noht-Zwang, sondern Er. Auf! laßt uns denn, mit froher Seelen,

Des Schöpfers Macht und Lieb’ erzehlen, Bewundern seine weise Güte, Mit recht erkenntlichem Gemühte, Da Er, zu unserm eignen Heil,

Uns, auch durch Mangel, zu sich ziehet, Sich gleichsam väterlich bemühet, Uns aus der Unempfindlichkeit, Die der Gewohnheit Frucht, zu reissen,

Damit wir Jhm die Ehre gönnen, Jhn, als die Quell’ des Guten, kennen, Uns nicht durch Undank von Jhm trennen, Wodurch wir, bloß auf dieser Erden,

Vergnügt, und dorten selig werden. Laßt uns zugleich dabey erwegen, Wie der Zusammenhang so klar, So nötig und so wunderbar,

Der in des nähr’nden Grases Segen, Durch Gottes Ordnung, herrscht und liegt; Da Er, durchs Gras, uns und das Vieh, Zu beyder Nutzen, so gefüget,

Da man das Vieh, dieß uns vergnüget. Da jenes uns in unserm Leben Zwar dient, doch wir auch wieder ihnen, Da wir ihm Heu im Winter geben,

Wenn man es recht bedenket, dienen. Durch welche kleine Wechsel-Müh Die grosse Ordnung in der Welt Sich bindet und zusammen hält:

Hiedurch erhält sich Mensch und Vieh. Sie nähren uns, wir nähren sie. Die grosse wunderbare Kette des Fingers Gottes, der Natur,

Führt, wenn wir recht als Menschen denken, uns unver- merkt auf eine Spur, Zu welcher viele nicht gelangen. Sie zeiget uns ein göttlich Walten,

So wohl im Schaffen, als Regieren, im Ordnen, Lenken und Erhalten, Das unsern Witz weit übertrift, und welches insbesondre wehrt,

Daß man ein uns verborgnes Wesen, so sich doch allenthalben weist, In ehrerbietiger Bewundrung bemerkt, in Andacht Jhn verehrt,

Vid. klägliche Folgen des strengen Winters. Sein Daseyn, Seine Lieb' empfindet, und Jhn erhebet, lobt und preist.

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