In einem grossen Schiff, das unlängst erst gebaut, Hatt’ ich mich jüngst den wilden Wellen, In Ampts-Geschäfften, anvertraut. Indem nun gleich darauf die hohlen Segel schwellen,
Der Nord-Wind schnaubt und saust, Das Wasser schäumt und braust; Brach, nach versuncknem Sonnen-Schein, Die Nacht mit duncklen Schatten ein:
Und, wie es spät ward, legt’ ein ieder, Nicht aller Furcht entohniget, sich nieder, Auf Betten, die (wie es der Brauch In Schiffen) in des Schiffes Bauch.
Indem ich nun, da sich der Sturm vermehrte, Gantz nah’ an meinem Ohr, der Fluthen Brausen hörte, Gedacht ich bey mir selbst, indem die andern schlieffen: Wie nahe sind mir ietzt die finstern Tieffen!
Mein GOTT! ein Holtz, nur wenig Daumen dick, Ist bloß der Zwischen-Stand, Und hält den Schwall der duncklen Fluth Von mir, und von dem Pfuhl des Abgrunds mich, zurück,
In welchem ungezehlte Heere Von Taumlern, Kabeljauen, Störe, Und andre Wasser-Thiere schwärmen. Das brausende Geräusch der Fluth kam meinem Ohr,
Dem es so nahe war, nicht anders vor, Als ob so gar das Heer der nahen Fische Mit der beschäumten Fluthen lärmen Jhr schnaubendes Getöse mische.
Wo auf der Welt ein Stand, der uns, auf GOTT Und Seel’ und Sinn auf Seine Huld zu lencken, Mit Recht bewegen sollt, so ist es dieser wol, Da zwischen Tod und Leben
Nur wenig Zoll Uns eine Scheide-Wand so gar zerbrechlich, geben. Indem ich also lag und dachte, Schlieff ich gelassen ein.
Und wie ich früh erwachte, Und meinem Macht’ ich mir, was ich sah’, aufs neu zu Nutz. Ich sahe denn darauf die weite Wasser-Welt,
Als wie ein blau unabzusehend Feld, Mit dessen weit entlegnen Grentzen Der Himmel selbst, dem Schein nach, sich verband. Ich sah dies rege blau vom hellen Sonnen-Licht,
Das sich mit schnellem Blitz an hohlen Wolcken bricht, An manchem Ort, wie fliessend Silber, gläntzen. Ich sah’ auf dieser Fläch’ ein’ ungezehlte Menge Geschwollner Segel mancher Art,
Als pflügten sie das Feld der Fluthen hin und her, Bald in die Qwer, Bald in die Länge, Mit halber theils, und theils mit gantzer Fahrt,
Die durch den schnellen Druck beschäumte Wellen theilen, Und öffters, wie ein Pfeil, bey mir vorüber eilen. Ich dachte: Grosser GOTT! wie scharff ist der Ver- Wie groß die sinnende Beschaffenheit,
Wie groß die Fähigkeit, Die mit dem menschlichen Geschlecht, bloß durch Dein Wort, Sich füget und verband; Daß wir so ungeheure Lasten,
Mit hohlen Segeln, hohen Masten, Von einem zu dem andern Ort, So leicht, bequem, geschwinde, Durch Hülffe wolgetheilter Winde,
So füglich fortzubringen wissen; Daß offt ein einzger Mann Mit einer Hand das Schiff regieren kann, Und wär’ es noch so groß.
Dies zeiget eine Gröss’ in unserm Geist, Die wunderbar, die nicht begreifflich ist. Indem mein Geist nun dieses recht ermisst, Und diese Hoheit der Gedancken
Mich fast der Menschlichkeit entreisst; So lenckt’ ein anderer mich wieder In die uns zugemessne Schrancken. Er zeigte mir, indem die Menschen weder Wind,
Noch Wetter, im geringsten nicht Zu ändern mächtig sind; Wie wir zugleich so schwach, so klein, Bey der geglaubten Grösse, seyn.
Indem ich also dacht, Trieb der erzürnte West Uns unverhofft auf eine Sand-Banck fest. Es war der Stoß gewaltig, alles kracht,
Die Segel schlotterten, und schlugen auf und nieder; Es peitschte sie die strenge Wuth Der wilden Winde hin und wieder: Es schäumte die gedrengte Fluth.
Dennoch entstand, o HERR, durch Deine Gnade, Aus allen uns nicht der geringste Schade. Es nahmen uns aufs neu die Wellen auf den Rücken: Die Last der regen Lufft drückt’ uns von diesem Ort,
Mit günstiger Bewegung, fort, Und führt’ uns bald vergnügt zu Lande; So daß ich ietzt den Geist an unserm Elbe-Strande Zum HERRN der Elementen schwinge,
Und Jhm, für Seine Huld, ein helles Danck-Lied bringe.
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