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1680–1747

Die Schatten.

Barthold Heinrich Brockes

Um das, was an sich selbst schon schön, Doch desto mehr noch zu erhöhn, So wachsen itzt auf Bäum- und Matten Mit jungen Blättern, junge Schatten,

Die, um die helle Zierlichkeit Des schönen Urbilds zu verbessern, Durch ihre nahe Dunkelheit, Sich jeden Augenblick vergrößern,

Um nicht nur unsre Lust zu mehren In der, durch ihre holde Nacht, Annoch erhobnen Farben Pracht; Nein, auch noch Kühlung zu gewehren;

Und vor dem gar zu schwülen Blitzen Des strengen Sonnenstrals zu schützen. Wodurch man in der That erfährt, Daß, wenn die Hitze sich vermehrt,

Sich auch die Mittel, die dagegen, Für uns zugleich zu mehren pflegen. Wird dann hiedurch nicht klar verspürt, Da so viel Guts für uns erlesen,

Es werde, durch ein weises Wesen, Die Welt regieret und geziert; Und daß für so viel edle Gaben, Woran wir, bloß durch ihn, uns laben,

Jhm Ehre, Preis und Dank gebührt?

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Die Schatten. · Barthold Heinrich Brockes · Poetry Cove