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1680–1747

Die sanfte Ruhe.

Barthold Heinrich Brockes

Wenn man in einem weichen Bette, gesund, mit müden Gliedern, liegt, Und die Beqvemlichkeit und Anmuth in diesem Zustand überleget:

Empfindet nicht allein der Cörper ein Etwas, das ihn sehr vergnügt, Wenn unsre Seele, nicht zerstreuet, das, was sie rühret, nur erweget.

Man findet nicht allein mit Lust, wenn sich die Geister- reichen Sehnen Aus ihrer sonst gewohnten Lage gemächlich aus einander dehnen,

Ein süß und zärtliches Gefühl’; man wird, wenn man mit Achtsamkeit Jm Dunckeln, bey geschlossnen Augen, so dann sein We- sen überdencket,

Kaum daß man worauf liegt gewahr. Es kommt uns vor, zu solcher Zeit, Als ob wir unterwerts so wenig, als wie wir oberwerts, umschräncket,

Vielmehr von allen Seiten frey, und, einer Insel ähnlich wären. Es scheint man finde mehr, als sonst, so dann im Schosse der Natur

Sich gantz besonders eingeschlossen, gantz einsam; es ist keine Spur In dieser Dunckelheit zu finden, kein End’ in diesem Raum zu schauen,

Und keinem Geiste sind hier Gräntzen, noch Innhalt dieses Raums bewust.

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