So kann ich denn, GOtt Lob! von neuen Der Erden schönste Zucht und Zier, Die Rosen, voller Liebreiz, hier In ihrer holden Röhte sehn, und ihrer süssen Gluht mich
freuen. So dacht ich, als mein jüngstes Kind, zu meinem inni- gen Behagen, Auf meinem Schreibe-Tisch vor mir derselben viel zu Hauf
getragen. Ich setzte mich an diesem Ort Bey diesen Frühlings-Kindern nieder, Und führt’ auf sie die angefangnen Lieder,
Voll innrer Regung, weiter fort: Aus ihren holden Blättern strahlet, Erhebt sich rings umher und bricht Ein fröhlichs Feur, ein lieblichs Licht.
Mit Himmels-Farbe scheinet sie von Fingern der Natur gemahlet. Man sieht mit innigem Vergnügen, Wenn einige beysammen liegen,
Nicht nur der schönen Cörper Pracht; Ein Etwas scheint sie zu umgeben, Das gleichsam unsern Geist anlacht; Ein Schimmer scheint um sie zu schweben,
Der sie und ihren Schmuck an sich noch schöner macht. Es läßt, als wenn was aus ihr steiget, Das sich verbirgt, und dennoch zeiget. So wie man um ein Licht, das brennet,
Die Luft illuminirt, entzündet, Durchstrahlet und erleuchtet, findet, Und doch den Schimmer nicht erkennet; So scheints, als ob ein röhtlich Licht
Aus schönen Blätter-reichen Rosen, Um Geist und Auge liebzukosen, Halb sicht- und halb unsichtbar, bricht. Dieß mischt sich mit dem süssen Duft,
Der gleicher Weise nicht zu sehen, Und wovon dennoch in die Luft Sich unauf hörlich Theil’ erhöhen. Jhr Kugel-förmiges Gebäude, von Blättern wunder-
barlich vest, In einem solchen engen Raum Vereint, verschränket und gepreßt, Ist öfters am Gewicht so schwehr,
Daß es der starre Stengel kaum, So wie es scheinet, tragen kann, ist er gleich von besondrer Stärke, (so ich zu gleicher Zeit bemerke.)
Wenn man nun diese süsse Last Mit spitzen Fingern angefaßt, Und schwebend vor die Nase hält, So, daß sich beyde kaum berühren;
So ist auf dieser ganzen Welt Fast nichts so liebliches zu spühren. Es scheinet aus der kleinen Oeffnung ein Schwall von süssem Duft zu steigen,
Die unsern Augen nicht nur bloß, der Nas’ und dem Ge- ruch, sich zeigen. Der Balsam, der die Höhle füllet, Und in so grossem Ueberfluß, jedoch unsichtbar, aus ihr
quillet, Erfüllte mit besondrer Lust Mir das Gehirn, die Stirn und Brust. Kaum konnt’ ich mich vor Lust besinnen,
Bis ich zuletzt mein ernstes Denken So weit zusammen zog, Und voll Verwunderung erwog: Auf welche Weise doch von innen
Sich so viel Süßigkeiten schränken; Auf was vor Art doch aus der Erden So angenehme Balsam-Kraft Durch ihres Stieles vesten Schaft
Könnt’ in den Knopf getrieben werden, Und sich darinn so kräftig häufen. Ich konnte dieses nicht begreifen; Zuletzt fiel mir noch dieses ein:
Sollt’ es vielleicht wohl möglich seyn, Daß Rosen ihren holden Duft Und süssen Balsam aus der Luft Magnetisch zögen? Noch viel eh’r
Scheint dieß zu glauben, und es fiele Vielleicht die Probe minder schwehr, Man käme leichter fast zum Ziele. Wie wär’ es, wenn sich unser Witz,
Wie oftermahls, auch hierinn irrte, Und ihn das Vorurtheil verwirrte? Die Luft ist eigentlich der Sitz Von Dünsten, die gerochen werden,
Mehr als die schwarze Schooß der Erden. Ja, spricht man: Aus der Erde stammen Die Dünste, die die Luft enthält. Gesetzt; so stimmt doch wohl zusammen,
Daß auch wohl wieder abwerts fällt, Was anfangs aus der Erde kame; Zumahl es noch nicht vestgestellt, Ob aller Duft aus unsrer Welt
Auch eben seinen Ursprung nahme; Und ob zuerst nicht in die Luft Der Dünste Kräft’ und aller Duft, Die sie unwidersprechlich heget,
Vom Finger Gottes eingepräget, Und daß von Cörpern unsrer Erde, Da sie ja den Magneten gleich, Was wohl riecht, aus der Lüfte Reich,
Nicht auch herabgezogen werde. Wie alle Farben anders nichts, Als blosse Brechungen des Lichts, Sind gleich derselbigen Gestalten
Bisher für cörperlich gehalten; So kommt der Dünste Wesen mir In Rosen und in Bluhmen für, Als ob ihr Ambra-gleicher Duft
Mehr aus der Balsam-reichen Luft, Als in der vom Geruch entblößten Erde, Entstehe und erzeuget werde. Zwar wird sich dieß nicht völlig fassen,
Und überzeuglich zeigen lassen. Allein man merk’ es, dieß geschicht Auch in der vor’gen Meynung nicht. Die Erde, die, für sich betrachtet,
Man des Geruchs kaum fähig achtet, Des dünnen Stengels Härt’ und Enge, Derselben abgeschnittne Gänge, Da, wenn die Rosen von den Büschen,
Und folglich völlig von der Erden, Gebrochen und geschieden werden, Noch lange den Geruch erfrischen. Dieß alles, deucht mich, zeiget klar
Den Widerspruch fast offenbar, Und daß der Ruch der Rose nicht Aus unsrer Erde Cörper bricht.
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