Eine sehnliche Begier: Was er siehet, zu zerstücken,
Schielt, nebst Mordlust, Unvergnügen, hämischen ge-
Grausamkeit, Wuth, Grimm und Gram, aus des Leoparden
Sein am Kopf gedrucktes Ohr, sein von Blut-Durst dürrer
Voller scharf-und starker Zähne, gleichen einem wahren
Ist doch, in des Todes Werkzeug, den gekrümmten starken
Und der schweren Pfoten Last, fast der sichre Tod zu schauen.
Aber welche sanfte Triebe, welche Lust, in ihrer Ruh,
Sieht man die von ihren Jungen ausgesogne Mutter fühlen!
Der geschloßnen Augen Lied deckt ihr grimmig Feuer zu,
Und es scheint, sie fühl, im Traum, ihrer jungen Welpen
Wie so sanft, gelenk und weich, liegt ihr Körper ausgestreckt!
Dächte man, daß in demselben ein so harter Geist versteckt?
Was ist ferner nicht für Schönheit auf der Thiere Balg zu sehn!
Welche Farben! heisset man sie nicht recht erschrecklich schön?
Doch ich muß, bey dieser Schönheit, leider eins noch zugestehn,
Ob mir gleich für das Geständniß dieser bittern Wahrheit
Nemlich daß, nicht nur bey Thieren, Schön- und Bosheit oft
Ach wie oft wird unter Menschen, unter einer schönen Haut,
Auch ein Leoparden-Geist, voller Neid und Wuth, gefunden!