Wo ich gestern tausend Bluhmen von dem allerschön- sten Mah In den reinsten Farben blühen, Ja im bunten Feuer glühen, Gläntzen, prangen, funckeln sah;
Eben da Seh ich nichts als ihre Köpfe, Von der bunten Pracht beraubt, Von den Blättern gantz entlaubt,
Als so viele Todten-Töpfe. Fast durch nichts wird auf der Welt Aller Dinge dieser Zeit Flüchtige Beschaffenheit
So natürlich vorgestellt. Aber in dem flüchtgen Wesen Kann man, daß sie doch bestehn, Und nicht, wie es scheint, vergehn,
Eben an den Knöpfen lesen. Da sie, recht als Samen-Töpfe, Einen Geist in sich enthalten, Der sie nimmer lässt veralten,
Nicht verkommen, nicht verderben, Nicht vernichtigt seyn, nicht sterben: Sondern dessen Eigenschaft, Durch uns unbekannte Krafft,
Also sich in sich verjünget, Und sich selber wiederbringet. Noch hab ich an diesen Bluhmen, wann die Knospen offen gehn, Da sie krumm gebogen stehn,
Daß die meisten Erd-wärts sehn, Mehr als einmahl selbst betrachtet, auch wohl sonst davon Aber eh’ und wann sie sterben, Und die Blätter sich entfärben,
Sind sie Himmel-wärts gekehrt. Dadurch werd auch ich belehrt, Daß ie älter ich hier werde, Ich auch billig Seel und Sinn
Von den Tieffen dieser Erde Wende nach dem Himmel hin. So wird, wie ein’ irdsche Crone Diesen Bluhmen, also mir,
In nie welcker Pracht und Zier, Eine himmlische zum Lohne. Noch kann dieser Bluhmen Flor Auch den Grossen dieser Erden
Ein belehrend Sinn-Bild werden. Wenigstens kommt mir es vor, Recht, als sagte dieß Geschöpfe, Das gekrönt so wol als sie:
Trotzt nicht auf die Herrlichkeit. Merckt es! auch gekrönte Köpfe Sind ein Raub der schnellen Zeit.
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