Skip to content
1680–1747

Die kleine Fliege.

Barthold Heinrich Brockes

Neulich sah ich, mit Ergetzen, Eine kleine Fliege sich, Auf ein Erlen-Blättchen setzen, Deren Form verwunderlich

Von den Fingern der Natur, So an Farb’, als an Figur, Und an bunten Glantz gebildet. Es war ihr klein Köpfgen grün,

Und ihr Cörperchen vergüldet, Jhrer klaren Flügel Par, Wenn die Sonne sie beschien, Färbt’ ein Roth fast wie Rubin,

Das, indem es wandelbar, Auch zuweilen bläulich war. Liebster GOtt! wie kann doch hier Sich so mancher Farben Zier

Auf so kleinem Platz vereinen, Und mit solchem Glantz vermählen, Daß sie wie Metallen scheinen! Rief ich, mit vergnügter Seelen.

Wie so künstlich! fiel mir ein, Müssen hier die kleinen Theile In einander eingeschrenckt, Durch einander hergelenckt,

Wunderbar verbunden seyn! Zu dem Endzweck, daß der Schein Unsrer Sonnen und ihr Licht, Das so wunderbarlich-schön,

Und von uns sonst nicht zu sehn, Unserm forschenden Gesicht

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Die kleine Fliege. · Barthold Heinrich Brockes · Poetry Cove