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1680–1747

Die im Winter blühende Cyrene.

Barthold Heinrich Brockes

Ich sehe dich, mit recht gerühretem Gemüthe, Ja würcklich ohn Erstaunen kaum, Bepurpurter Cyrenen-Baum, Jm Winter voll der schönsten Blüthe!

Ich sehe dich, als wie im Lentzen, Jm Januario schon lieblich gläntzen. Wie kanst du Nas’ und Aug’ erfrischen! Ich seh’ in dir, fast ohne Grün,

In mehr als hundert Blumen-Büschen, Mehr als fünf tausend Blumen blühn, Die all’ im schönsten Purpur glüh’n. Es stutzt ein jeder der dich sieht,

Und läßt, zu deines Schöpfers Ehren, Ein Lob, fast wieder Willen, hören, Wann ein: Da er kaum selbst weiß, was er spricht.

Wenn ich dieß höre, kömmt es mir Als wenn der Ausbruch seiner Lust, Ob sie gleich leider kurtz, mir doch entdecke, Wie in der Menschen kalten Brust

Ein Etwas doch verborgen stecke, Daß unsers Schöpfers Macht, wie sie es wehrt, Beym Anblick seiner Wunder ehrt: Und daß wir, durch Gewohnheit blos allein,

Umnebelt und geblendet seyn. Wenn ich in diesem Baum den Purpur-Glantz erblicke, Deucht mich, als ob auch er (so wie, nach dunckler Nacht Der Morgen-Röthe Purpur Pracht

Die graue Dämmrung färbt) die graue Dämmrung schmücke, Die uns im Winter deckt, und ich des Frühlings Morgen, Der uns annoch durch Frost und Duft verborgen, Nicht mehr entfernt, und in der Nähe

Schon seine Morgenröhte sehe. Ich seh, geliebter Baum, in dir zugleich die Spur, Daß die geschäftige Natur Nicht schlaffe, wie es scheint; nein daß sie immer kräftig

Und, wenn sie nichts verhindert, stets geschäftig, Und nimmer müßig sey. Es reitzt mich deine Pracht, In meiner Lust, zum Ruhm deß, welcher dich gemacht, Und preis’ ich auch in dir, mit brünstigem Gemüthe,

Den Ausbruch seiner Macht und Güte. Nun fehlet nichts, als daß ich dich nunmehr, Zu mehr Verbreitung noch von deines Schöpfers Ehr, Dem Auszug aller klugen Geister,

Hammoniens so würd’gem Bürgermeister, Dem theuren Damit Er sich, an deiner Pracht, Wie Er es sonst mit GOttes Wercken macht,

Bey Seiner Arbeit Last, erquicke. Ich weiß, so viel ichs überdencke, Für Jhn’ kein würdiger Neu-Jahrs-Geschencke. Ich will denn dich, für Jhn, mit diesem Wunsch begleiten:

Er lebe so viel Jahr’, in stetem Wohlergehn, Und immer blühenden Vergnüglichkeiten; Als schöne Blumen-Büsch’ an deinem Stamme stehn!

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