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1680–1747

Die Ehe.

Barthold Heinrich Brockes

So viel mir von der Eh bekannt, Will ich euch itzt zu wissen sügen. Es ist ein angenemer Stand, Ein Stand voll Anmut und Vergnügen,

Wenn Mann und Frau, in ihrer Jahrer Blühte, Nebst einem billigen verträglichen Gemüte, Und guten Mitteln, in die Eh Gesunde, wohlgebildete,

Und starke frische Cörper bringen, Auch ein von anderer Verbindung freyes Herz Samt einem sanften Geist’ in allen Dingen, Der auch beym Ernst zuweilen Scherz

Herfür zu bringen weiß, und der die Welt, Ohn daß sie ihm zu wol gefällt, Kennt, braucht, und gleichwol auch es unterlassen kann. In solcher Ehe nun, davon ich sage,

Sind alle Nächte süß, und glücklich alle Tage. Kaum bricht der küle Morgen an; So kehren Mann und Frau, nach einer sanften Ruh’, Jhr lächlend Auge schon einander fröhlich zu.

Kömmt etwas ernstes vor; erwäg’t mans in der Stille, Und stimmt man etwan einst nicht überein; So muß nicht die Gewalt, nicht Eigenwille, In ihren Sachen Richter seyn.

Man unterweiset sich, man leitet, Man stellt’s einander vor, erklär’t sich, und bedeutet, Ohn daß man sich dabey zu weise dünken lasse.

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