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1680–1747

Die Danckbarkeit.

Barthold Heinrich Brockes

Oft hab ich bey mir überlegt, nachdem ich überzeuglich sehe, Daß mehrentheils in frohem Dancken der wahre GOttes- Dienst bestehe,

Was Dancken eigentlich denn sey? Wenn man der Men- schen Danck erweget, Und die gemeine kalte Art zu dancken ernstlich überleget; So kommt es mir nicht anders für:

Als daß man mit dem blossen Schall der Worte: ich dancke dir! Die GOttheit gnug bezahlet glaube: ohn daß, vom An- dachts-Feur gerühret,

Die Seele, durch Erkänntlichkeit empfangner Gaben, et- was spühret, So sie zur Gegen-Liebe reitzt, und das sie von der Macht und Güte

Des grossen Schöpfers aller Dinge unwiedersprechlich überführet. Wenn noch, von so viel tausenden, die gar nicht dancken, ein Gemüthe

Dem grossen GOtt einst dancken will, so werden ihm Jdeen fehlen; An Worten fehlt es ebenfalß. Man weiß nicht was man sagen soll;

Ein kalt Kömmts hoch, so wird man, als was neues, die Wohl- that einem Freund' erzehlen. Auf, laßt uns denn den gantzen Geist, auf, laßt uns

unsrer Seelen Kräfte, Mit Ernst bemüht seyn anzuwenden zu diesem heilsamen Geschäfte!

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