Liebste Frühlings-Kinder, ihr, Eurer Form- und Farben Zier, Rührt mein Aug’ und mein Gemühte. Ich bewundr’ in eurer Pracht
Dessen Weisheit, Macht und Güte, Welcher euch hervorgebracht. Billig sollt’ euch niemand sehen, Ohne Gottes Huld und Macht
Froh und dankbar zu erhöhen. Denn was kann vom bunten Schein, Welcher euer Wesen zieret, Doch der Zweck gewesen seyn
Deß, Der euch so schön formieret, Als daß man an ihren Schätzen, Jhm zum Ruhm, sich soll ergetzen? Diese Absicht zu erlangen,
Haben wir die Schönheit nicht Nur allein, wir haben’s Licht, Auch das herrliche Gesicht (welche Wunder-Ding’!) empfangen.
Was hat nicht dazu gehört, Daß sie, und uns sichtbar, wären? Wunder, die nicht zu erklären! Ist denn alles dieß nicht wehrt,
Daß man Den, Der sie beschehrt, Wenn man sie betrachtet, ehrt? Da, zumahl wenn wir sie sehen, Und in ihnen Jhn erhöhen,
Dieses Sehn von jedermann Sonder Anmuht nicht geschehen, Noch betrachtet werden kann. Weiß man aber etwan nicht,
Wenn wir was betrachten wollen, Wie es eigentlich geschicht, Und wie wir uns freuen sollen; So vernehmt den Unterricht:
Machet ihr den Anfang nur; Seht die Werke der Natur, Mehr als sonst, bedachtsam an; Denn bemüht euch, euer Denken
Auf den Schöpfer hinzulenken, Der, um euch mit solchen Schätzen Zu vergnügen, zu ergetzen, Sie so lieblich bilden kann.
Werdet ihr auf diese Weise Jhm, zu Seinem Ruhm und Preise, Bloß nur die Bewundrung schenken; So wird, durch Sein Werk gerührt,
Euer Geist, zu Jhm geführt, Sich im Schöpfer selbst versenken.
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