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1680–1747

Die auflaufende Saat im Herbst.

Barthold Heinrich Brockes

Nachdem ich von dem Gang im Garten durchs Korn-Feld einen Weg gezogen, Jm Herbst, wie eben erst das Feld Gepflüget war, geegt, besäet und bestellt,

Und ich, nach wenig Tagen nur, durch einen schönen Tag bewogen, Auf selbigem spatzieren ging; erblickt’ ich, mit gerührter Brust,

Zur unverhofften Augen-Lust, Wie aus des Ackers ebner Flächen, Von dem schon aufgelaufnen Korn, sich Millionen Spitzen stechen,

Die theils ein gelbliches, und theils ein röhtlich Grün, In recht lebend’gen Farben, schmückte, und reichen Segen schon versprechen. Der Sonnen lieblichs Licht, so durch die Blätter schien,

Erhoben durch das graue Land, und durch der Furchen braunen Grund, In welchen, als in Linien, das junge Korn recht zierlich stund,

Verschönerte noch mehr, was an sich selbst schon schön, Durch ihren Farben-reichen Glanz. Was nahe stund, war einzeln noch zu seh’n, Wenn das, so weiter lag, bereits ein grünlich Ganz

Dem Blick bemüht schien vorzustellen. Hierüber war ein bunt-gefärbtes Glas, Um dieses Mahlwerk der Natur noch desto schöner auszu- schmücken,

In einem glänzenden Gewebe von bunten Fäden zu erblicken. Wovon noch ungewiß, ob Spinnen es gesponnen, Wie, oder ob es sonst entsteht. Es sind im hellen Strahl

der Sonnen Des schönen Regen-Bogens Farben, in einem noch vermehr- tern Schein, Wie lauter Prismata, zu seh’n. Mit noch vergrössertem

Vergnügen Sieht man, vor andern, noch die Stellen, die unterm Strahl der Sonnen liegen, So hell, so wunderwürdig schimmern, nicht anders, als

wenn auf der Fluht Der Sonnen Bild, im flachen Strahl, als eine Feuer- Seule ruht. Durch ihr beständiges Bewegen

Schien jede Farbe, wandelbar, sich stets im neuen Glanz zu regen. Mich nahm, mit ungemeiner Freuden, die wunderwürd’ge Schönheit ein.

Ich dankte GOtt, Der, auch im Herbst, nicht nur das Feld so lieblich zieret, Nein, Der uns auch, in solcher Zierde, von dem, was uns ernährt und speiset,

Und was uns künftig nähren soll, die Erstlinge so zeitig weiset, Wofür Jhm Ehre, Lob und Preis, und ein erkenntlichs Herz gebühret.

Ich that es, und ich thu es noch, mit Bitte, daß Er für Ge- fahren Die uns gezeigte zarte Saat doch wolle gnädiglich bewahren! Damit wir die gereifte Frucht, und, in derselben, Seinen

Segen, In einer frohen Erndte mäh’n, vergnügt in unsre Scheuren legen, Und für die väterliche Gabe mit froher Seel’ Jhm danken

mögen!

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