Offt hab' ich bey mir überleget, Was der Verstand doch eigentlich, Wodurch die Menschheit sich Auf eine andre Art, als wie ein Vieh, beträget.
Ich stelle denn, nach langem dencken, mir Denselbigen nicht anders für, Als etwa wie ein reines Licht, Das im Gehirn, als seinem Sitz, vereinet,
Von wannen es mit regen Strahlen bricht, Und unsern gantzen Leib durchscheinet: Da denn, wenn dieß in Ruh, und ungehemmt, geschicht, Ein heitrer Zustand, eine Stille,
Vergnügung und Gelassenheit In uns mit Lust entsteht. In muntrer Fröhlichkeit Schwimmt gleichsam unser froher Wille, Zum GOttes-Dienst, zur Danckbarkeit
Zur Nächsten-Lieb’ und Tugenden bereit. Wann aber, durch der Leidenschaften Dufft Der Sonnen Licht) das Licht der Seele Benebelt und gehemmt, da nemlich die Canäle
Jm Cörper sich verstopfft, so daß die reine Glut Die sonst in uns die vielen Wunder thut, Durch die Materie den Durchgang nicht zu finden Vermag noch fähig ist; wird unser Wesen gleich
Verdunckelt, und dadurch in solchen Stand gesetzt, Daß ihn, was viehisch ist, allein ergetzt. Ja wie sich in der Lüffte Neich Offt Schwefel-Düfft’ in sich so fest verbinden,
Daß sie so gar in Blitz und Donner sich entzünden, Und sehr gefährlich sind; so raset die Begier, Wenn sie zu sehr gehäufft, mit solcher wilden Wuht: Als wie kaum in der Lufft, Blitz, Sturm und Donner
Wie mancher Erd-Strich auch morastig, schweflicht ist, Und folglich Dunst in grosser Menge Vor vielen andern zeugt; so trifft man Cörper an, Wo Leidenschaften offt sich recht als im Gedränge
Erzeugen und erhöhn: Das Licht der Seele kann Den dicken Schwall nicht trennen: bis zu spat, Wenn es gestürmt, geblitzt, gedonnert hat, Es, wie ein ödes Feld, wo alles ümgekehrt,
Die Häuser abgedeckt, die reiffe Saat versehrt, Die Bäum’ entlaubt, der Gärten Pracht verheert, In seinen Grentzen schaut. Da es den Schaden offt Mit Neu zu bessern hofft:
Der aber mehrentheils unüberwindlich bleibet. Ach lasst uns denn mit Ernst dahin uns doch bestreben, Daß grobe Dünste sich doch nicht zu starck erheben: Damit das reine Seelen-Licht,
Dadurch verdeckt, verstecket und verhüllet, Wenn Adern, Hirn und Marck zu sehr dadurch erfüllet, Die schwartzen Finsternissen nicht Verhindert werde zu verjagen.
Weil, sonder ihren Klarheit Schimmer, Die Uhr der Leidenschaften nimmer In ihrem rechten Gleich-Gewicht, Worin doch unser Glück allein besteht,
Und ungestörter Ordnung geht. Hiezu gehört ein öffters überlegen, Daß gleich, so bald sie sich zu starck bewegen, Der Geist uns alsobald die bittre Folge zeige,
Und dergestalt, was aufgebracht Mit Sanftmuth, kann es seyn; wo nicht, mit Macht Gemach ins vorge Gleis, so bald es möglich, beuge.
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