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1680–1747

Der unverhoffte Trost.

Barthold Heinrich Brockes

Von vielen Sorgen überhäuft, von trüber Schwermuht recht gedrücket, Trat ich, bey dunkler Abendzeit, vor meines Hauses offne Thür,

Sah eine Zeitlang vor mir nieder, mich nagt’, fast über die Gebühr, Ein schwarzer Schmerz, ein dunkler Gram, der meinen ganzen Geist bestricket;

Kaum aber schlug ich ungefehr Die trüben Augen in die Höhe, so fiel das helle Sternen- Heer, Und, vom entwölkten Firmament, voll Dunkelheit, vermischt

mit Licht, Das ehrenwürdige Spectakel, auf einmahl schnell mir ins Gesicht. Ich fuhr, als wie von einem Strahl und Anblick unverhoffter

Flammen Gerührt und gleichsam ganz durchdrungen, auf einmahl schnell in mir zusammen. Sogleich verschwand, als wie ein Blitz, des trüben Kummers

finstre Nacht; Es ward in meiner Seelen helle, des dunklen Himmels lichte Pracht Zertrennte schnell des Unmuhts Duft, als wie ein Licht die

Finsternissen. Ich ward aus meiner Schwermuht Tiefe recht mit Gewalt herausgerissen, Und in der Ruhe Port geführt. Noch eh ich mich worauf

besann, Fing sich, in meinem finstern Wesen, ein gleichsam neues Wesen an. Wie konnt’ auch dieses anders seyn? Des Schöpfers

allergrößten Werke, Die hellen Zeugen Seiner Liebe, die Proben Seiner weisen Stärke, Entdeckten GOttes Gegenwart. Bey solchem wunderbaren

Licht Bestund das Heer des dunklen Grams, die Menge schwarzer Sorgen nicht; Sie schwunden wie die leichten Schatten, durch die der

Strahl der Sonne bricht. Mich tröstete, belebte, stärkte auf Seine Vertrauen, Auf Seine

bald zu schauen, Und auf die göttliche sicht.

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