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1680–1747

Der Traum.

Barthold Heinrich Brockes

Ich lag, voll schwartzer bittrer Sorgen, In eines Kerckers Gruft und dunckler Nacht verborgen; Die Fessel drückten mich; doch mehr noch, als die Bande, Die Furcht der künftigen Verachtung, Straff’ und Schande

Da dacht’ ich, welch ein Schatz die güldne Freyheit sey. Ich that die Augen auf, und fand mich würcklich frey, Von aller Furcht erlös’t, von aller Pein genesen; Denn meine Noth, (GOtt Lob) war nur ein Traum gewesen.

Ich danckte billig GOtt. Doch dacht’ ich noch dabey, Ob etwann die Melancholey, Womit sich viele Geister qvälen, Nicht einem schweren Traum der Seelen

Gar füglich zu vergleichen sey? Noch mehr: ob nicht ein Traum uns könn’ ein Vorbild geben Von einer Seelen-Pein, so gleich nach diesem Leben?

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Der Traum. · Barthold Heinrich Brockes · Poetry Cove