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1680–1747

Der Tod, Winter des Lebens.

Barthold Heinrich Brockes

Wie wir unsre frische Jugend mit der Frühlings-Zeit vergleichen, Die erwachsne Zeit dem Sommer, mit dem Herbst den al- Also deucht mich, daß dem Winter unser sterben und er- Sich mit Recht vergleichen mag.

Wie des Winters kalter Hauch unsrer Bäume Decke Also wird auch unsrer Seele, durch des Todes kalte Jhres Cörpers Deck’ entnommen, und sie gleichsam auch Gleicht die lange Nacht des Grabes nicht des Winters lan-

Feld und Wald scheint todt im Frost, alle Creatur gestor- Unser Cörper scheint im Grabe morsch, verweset und ver- Es verfaulen, wie die Blätter, Haut und Sehnen, Fleisch Da Wust, Moder und Verwesung, die sowol, als jene

Wie wir aber für den Winter uns zwar schen’n, und Doch, dieweil er unvermeidlich, uns gelassen auf ihn schi- Und, mit allem nöthigen, gegen ihn uns wol versehn; Also sollten wir nicht minder auch dem Tod’ entgegen gehn:

Unsre Seele, für der Neue scharffen Frost, mit guten Wer Glauben, Demuth, Hoffnung, Liebe wol verwahren, schü- Daß wir, sonder Furcht und Schmertzen, jenen seelgen Him Und in ihm den ew’gen Frühling, fähig wären zu erwarten.

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Der Tod, Winter des Lebens. · Barthold Heinrich Brockes · Poetry Cove