Steh ich gleich hier auf ebnem Boden, so tritt mich doch
ein Schwindel an,
Mein Blick, verleitet durch die Kunst, verführt fast meinen
Geist. Ich kann
Kaum glauben, auf der steilen Felsen und schroffen ungeheu-
ren Höhen
(die selbst die Wolken übersteigen) zerborstnen Gipfeln
nicht zu stehen;
Allein der unverzagte Steinbock, der auf den Spitzen sicher
ist,
Macht, daß mein Geist, der ihn betrachtet, darüber der Ge-
fahr vergißt.
Ich überleg’, auf welche Weise, durch seiner Hörner Stärk’
und Pracht,
Der Schöpfer diese Klippen-Bürger so sicher für Gefahr
gemacht;
Da er nicht nur daran sich hänget, nein, da er, wenn er auch
wo fällt,
Da er sie vorwirft, seinen Kopf beschützet, daß er nicht
zerschellt.
Es trotzet sein verwegnes Aug’ und fester Schenkel alle
Grüfte,
Er fliegt fast mehr, als daß er springt, schnell über alle tiefe
Klüfte.
Wohin sich fast kein Vogel schwingt, dahin gelangt sein
reger Fuß.
Wer ist denn, der die weise Macht der Gottheit nicht bewun-
dern muß,
Die auch die hohe Felsen-Welt so weislich zu bevölkern
weiß,
Auch Geister dergestalt bereitet, daß sie, in wohlgezognen
Zügen,
Des Schöpfers Werk so deutlich zeigen, und, GOtt zu Ehren,
uns vergnügen?
Dir sey demnach, Quell’ aller Dinge, auch darinn Ehre,
Lob und Preis!