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1680–1747

Der Steinbock.

Barthold Heinrich Brockes

Steh ich gleich hier auf ebnem Boden, so tritt mich doch ein Schwindel an, Mein Blick, verleitet durch die Kunst, verführt fast meinen Geist. Ich kann

Kaum glauben, auf der steilen Felsen und schroffen ungeheu- ren Höhen (die selbst die Wolken übersteigen) zerborstnen Gipfeln nicht zu stehen;

Allein der unverzagte Steinbock, der auf den Spitzen sicher ist, Macht, daß mein Geist, der ihn betrachtet, darüber der Ge- fahr vergißt.

Ich überleg’, auf welche Weise, durch seiner Hörner Stärk’ und Pracht, Der Schöpfer diese Klippen-Bürger so sicher für Gefahr gemacht;

Da er nicht nur daran sich hänget, nein, da er, wenn er auch wo fällt, Da er sie vorwirft, seinen Kopf beschützet, daß er nicht zerschellt.

Es trotzet sein verwegnes Aug’ und fester Schenkel alle Grüfte, Er fliegt fast mehr, als daß er springt, schnell über alle tiefe Klüfte.

Wohin sich fast kein Vogel schwingt, dahin gelangt sein reger Fuß. Wer ist denn, der die weise Macht der Gottheit nicht bewun- dern muß,

Die auch die hohe Felsen-Welt so weislich zu bevölkern weiß, Auch Geister dergestalt bereitet, daß sie, in wohlgezognen Zügen,

Des Schöpfers Werk so deutlich zeigen, und, GOtt zu Ehren, uns vergnügen? Dir sey demnach, Quell’ aller Dinge, auch darinn Ehre, Lob und Preis!

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