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1680–1747

Der Schnee im Mond-Schein.

Barthold Heinrich Brockes

Die Allmacht, die dem grünen Klee Die schönen Farben eingepräget, Hat in den Silber-weissen Schnee Auch einen lichten Schein geleget:

Wenn ich, im Frost, ihn gläntzen seh, Wird mein Gemüth zum Lob erreget. Je mehr er Glantz und Schimmer heget, Je mehr werd ich zum Ruhm beweget

Des Schöpfers, der ihn in der Höh So wunderbar zu bilden pfleget. Dieß war es ungefehr, was ich bey mir gedacht, Als ich, in einer hellen Nacht,

Beym Mond-Schein, ein beschneytes Feld, In einer ungemeinen Pracht, In einem Silber reinen Schimmer, Aus einem hoch erhabnen Zimmer

Bewundernd übersah. Das weisse Licht Durchdrang mein halb geblendetes Gesicht, Und fiel, mit seinem weissen Schein, Mir in die Seele selbst hinein;

Erleuchtete, was finster war, Und machte, Daß ich noch ferner also dachte: Was wirckt des Silbers weisser Glantz

In eines geitzgen Aug’ und Brust Nicht für Vergnügen, Freud und Lust? Der doch, beym Himmels-Silber, gantz Verblendet, Sinn-und fühl-los ist,

Und, weder des so weissen Mondes Schein, Noch die durch ihn bestrahlte Welt, Auch nicht das weiß beschneyte Feld Mit keinem Blick, mit keiner Lust, ermisst.

Ach! nähm uns doch der Schimmer, der so rein, Zum Ruhm des grossen Schöpfers, ein! Ach mögte man doch Sein, Bey diesem Silber-Glantz, gedencken!

So würd’ Er uns nicht nur das schöne Morgen-Gold, Das Gold des Segens auch, unfehlbar schencken. Bey dem Glantz des Silber-Lichts, Und der Anmuth, die ich habe,

Denck ich an die Wunder-Gabe Des betrachtenden Gesichts, Die der Schöpfer mir gegeben: Opffr’ Jhm billig diese Lust

Meiner recht vergnügten Brust. Und, da ich auf Seine Wercke, Mit gerührter Seele mercke, Danck’ ich Jhm, in stiller Freude,

Bey so süsser Augen-Weide.

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