Es war die starre Welt im Eis' annoch verstecket; Es hatte sie annoch der weisse Schnee bedecket, Als welcher überall noch lag; Da ich an einem heitern Tag’,
Um auch, zu GOTTES Ruhm, an stat des grünen, Des weissen Schmucks der Welt mich fröhlich zu bedienen. Mich auf das Land verfügte: Woselbst ich tausend Dinge fand,
An welchen ich mich sehr vergnügte. Es zeigt der weisse Schnee, der duncklen Aeste, Verworrne, starre, krumme Knäste, Viel deutlicher, als sonst. Das aller kleinste Reis
Erscheinet ietzt, da sonsten alles weiß, Durch seine braune Dunckelheit, Da es nicht gantz bedeckt, in solcher Deutlichkeit, Daß alle Bäume ietzt an Zweigen reicher scheinen:
Dadurch sieht alles rauch und kraus, Verwirrt und wild, und dennoch lieblich aus. Denn in der falben düstern Lufft Scheint ieder Wipfel ietzt
Ein Silber-weiß Gewülck, ein heller Dufft. Am Taxus, der bereifft, scheint nicht nur ieder Ast, So gar ein iedes Blat, in Silber eingefasst. Er gleicht dadurch, daß grün und weiß so süß sich mischen,
Von weitem, grün-und weissen Feder-Büschen. Hier sencket sich das Licht in rauhen Schnee hinein, Und zeugt ein reines weiß; dort sieht mans rückwärts prallen, Und, weil die Fläche glatt, mit einem hellen Schein,
Als wie von klaren Berg-Crystallen, Uns blendend in die Augen fallen: Wozwischen öffters kleine Höhen, Die, weil der Schnee von ihnen abgeleckt
Und abgeschmoltzen war, entdeckt, Bald schwartz, bald grünlich braun zu sehen, Von welchem Kraut und Gras, so noch auf ihnen stund. Da alles denn, in einer wilden Pracht,
Durch die Veränderung, die Landschaft dennoch bunt, Und, in dem Wechsel, lieblich macht. Ich gieng im Garten auf und nieder, Und drückt auf hartem Schnee die Fuß-Spur hin und wieder,
Mit sanftem knirschen, ein. Die ferne zwar annoch, doch unbewölckte Sonne Bestrahlte Schnee und Eis mit einem hellen Schein, Und meinen Geist mit ungemeiner Wonne.
Wie gläntzte, blitzt’ und funckelte Der angestrahlte Schnee! Kaum siehet man so klar, so rein, Den Glantz von Diamanten glimmern,
Als, in bald weiß-bald buntem Schein, Jm Schnee viel tausend Stellen schimmern. Ich sahe dieß mit Lust, doch auch mit Andacht, an, Und dachte billig nach: Was kann
Von dieser Schönheit sonst die Ursach seyn, Als das gewünschte Licht der Sonne bloß allein? Die alles auf der Welt mit Glantz und Schönheit füllt. Ja da ich es genau beachte,
Und mit geschärfftem Blick den Schimmer recht beträchte, So zeiget mir das helle blitzen Von so viel hundert tausend Spitzen, Womit der Boden gantz erfüllt,
In ieder Spitz’ ein kleines Sonnen-Bild. Es fiel hiebey mir ferner ein: Ich kann in allen Schnee-und allen Eises-Ecken Der Sonnen himmlisch Bild entdecken:
Wie steht es denn dabey üm dich, mein Hertz? Wirst du zum Schöpfer überwärts, In fröhlicher Bewunderung, dich lencken, Und Sein im dancken offt gedencken;
So wirst du andern auch in deiner Tugend Schein Der ew’gen Sonnen Macht-und Weisheits-Spiegel seyn, Indem ich nun den angestrahlten Schnee Noch eins aufmercksam überseh,
Vergnüg’ ich mich noch immer mehr und mehr An seiner Blitze Glantz: und kommt es mir, Als wie ein weisses Firmament, Woran ein kleines Sternen-Heer,
In einem hellen Schimmer brennt, Bey hellem Tage für. Wie diese Sternchen nun, wie ungezehlt sie seyn, Den Wunder-schönen Glantz und Schein
Doch nur von einer Sonn’ empfangen; Auf gleiche Weise kann man finden, Daß aller Sternen Heer’ ins Himmels Abgrunds-Gründen Von einer ewgen Sonn’, von GOTT allein
Das Wesen und den Glantz erlangen.
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