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1680–1747

Der Mensch, ein Schmidt seines eigenen Unglückes.

Barthold Heinrich Brockes

Wenn wir nicht selber Menschen wären, Und sollten wo von einem Wesen, das Das heißt, sich selbst Gedanken zeugen; wie glücklich würd Von uns nicht angesehen seyn! Zu seinem eignen Heil und Glück

Hat jeder, (dächten wir,) den Schlüssel; er wird in jedem Au- Zu seinem eigenen Vergnügen, sich frohe Vorwürf selbst erlesen, Und durch ein stets auf seiner Lust nur bloß allein gerichtet In immer frölichen Gedanken, sich selber neue Freude schenken.

Allein, wie gehet es denn zu, daß wir, die wir ja denken können, Und zwar mit einem freyen Willen, uns selbst so wenig Gu- Wir brauchen dieß so große Gut, das beste Theil von unsrer Ja fast zu nichts, als uns dadurch fast unaufhörlich selbst zu

Der Schöpfer schenkt uns, in fünf Sinnen, fünf immer- Durch welche Millionen Vorwürf in unsern Geist sich selber Es steht bey uns, von ihnen allen, Diejenigen, die uns gefallen,

Es sey an geistigen Jdeen, es sey an leiblichen Gestalten, Durch ein auf sie gerichtet Denken, uns zuzueignen, zu erhalten. Wir können, wenn wir selber wollen, durch eigne Kräfte unsrer Jdeen, die uns widrig sind, vertreiben, angenehme wählen.

Wie kömmt es, daß wir dieser Kraft, die wir wahrhaftig in Nicht, als uns selbst zu plagen, brauchen? vergnügte schnell Und die, so uns mit Bitterkeit und Gram erfüllen, fertig fassen, Beständig uns mit ihnen schleppen u. plagen, ja mit allen Kräften

Die regen Kinder unsrer Seelen an widerwärtge Vorwürf heften? Sprich nicht: Es stehet dieses ja, zu ändern, nicht in un- Wer kann doch die Gedanken zwingen? Denn, wo die Men- So können sie nicht sündigen; und was sie freyen Willen nennen,

Fällt alles weg; wofern sie nicht dasjenige, so sie gedacht, Durch Denken selbst zu ändern fähig, und dieß Vermögen nicht Daß aber es so leicht nicht ist, kann zur Entschuldigung Weil wir viel Dinge lernen müssen, nur bloß ums Brodt, die

Liegt alles menschliche Vergnügen denn in dem Denken bloß Wie es wahrhaftig bloß nur liegt: So laßt uns doch, zu Got- Und uns zum Besten, künftighin von unserm Unsinn uns ent- Und beym vernünftigen Empfinden, beym Riechen, Schme-

Aufs Gute länger, als vorhin, doch die Gedanken heften lernen; Jedoch dabey, daß Gott das Wollen und das Vollbringen geb, Und darum, ihn um seiner Gnad oft anzuflehen, nicht vergessen.

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