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1680–1747

Der Leopard, wie er einen Esel zerreisset.

Barthold Heinrich Brockes

Man sieht nicht nur selbst Leidenschaften aus unsers Künstlers Griffel quellen, Er weiß nicht nur Grimm, Hunger, Wut und Mord- Begierde vorzustellen;

Er zwingt selbst unsern freyen Geist, er kann die Seele selbst bewegen, Und nach Gefallen Furcht und Mitleid im menschlichen Gemüht erregen.

Doch halt, mir prägt dein grausam Bild auch lehrende Gedanken ein! Sollt’ eines Welt-Bezwingers Blick wohl nicht viel scheuß- licher noch seyn,

Noch grösser Grausen uns erwecken, und uns bey unge- zählten Leichen, Die sein barbarisch Schwerdt zerfleischt, ihm dieses Thier an Wut nicht weichen?

Der Hunger spornt den Leoparden, den Alexander Ueber- muht; Vergiesset jener eines Thieres, vergießt der ganze Ströme Blut

Von funfzig tausend seines gleichen, durch eiserne gekaufte Klauen. Komm, laß denn einst uns, wo du kannst, ein Bild vom wilden Sieger schauen.

Sein Blick, wofern du ihn recht triffst, geht diesem mord- begier'gen Thier An Wüten, Grimm, an Raserey und Gräßlichkeit gewiß noch für.

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