Skip to content
1680–1747

Der Hirsch im Netz.

Barthold Heinrich Brockes

In erbärmlicher Gestalt sieht man hier, in Todes- Zügen, Einen fest-verstrickten Hirsch, meistens schon zerfleischet, liegen.

Sein bethräntes Auge bricht, unser Ohr glaubt das Ge- räusch Der zersplitterten Gebeine, und von dem zerquetschten Fleisch

Jeden blut’gen Riß zu hören, auch ein immer stärker Stehnen Bey dem würgenden Geschrey seiner Mörder. Seine Sehnen,

Sammt den Adern, sieht man offen, seht, wie quillt der Schweiß herfür! Meynt man doch all’ Augenblick, das beflossene Papier Werde roht und schmutzig werden. Durch die Aehnlich-

keit verführet, Fühlen alle, die es sehen, daß sie Gram und Mitleid rühret. Dennoch währet es nicht lange; denn es fällt zum Trost uns

ein: Ist doch, was wir hier bedauren, eine nur gemahlte Pein.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Der Hirsch im Netz. · Barthold Heinrich Brockes · Poetry Cove