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1680–1747

Der Geruch.

Barthold Heinrich Brockes

So wie durch den Schall die Luft bald harmonisch zugericht, Bald zu klugen Wörtern wird; wie sie hell wird durch ein Licht;

So wird durch den reinen Balsam, der aus bunten Blu- men steiget, Sie, durch ein unsichtbar Licht, hell. Ich hör’, daß etwas spricht,

Und ein süß, harmonisch Wesen meiner Seele deutlich zeiget, Welches mich durch Lust zur Andacht, sonderlich zum Dan- cken, treibt Und, mit bunten Lettern, gleichsam dieß in meine Seele

schreibt: Unser Geist kan im Empfinden, zu des grossen Schöpfers Ehren, Wenn sie nur bedachtsam riecht, deutlich diese weisen Lehren,

Aus der Blumen leisen Sprache, wie aus allen Dingen, hören. Liest die Seele durchs Gesicht; stellet sie sich durch das Ohr Wenn sie treue Lehrer höret: vor;

Riecht sie eben dieß in Blumen. Denn die wolgemischten Säfte Und des künstlich-edlen Werckzeugs unserer Nasen scharf- fe Kräfte

Zeigen, wenn man es erweget, ja so deut-als lieblich an, Daß vom Schöpfer alles stammet, aus sich selbst nichts werden kann.

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