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1680–1747

Der Frosch.

Barthold Heinrich Brockes

Nachdem ich jüngst zur holden Frühlings-Zeit, Auf einer Wiese mich befand, Und nah’ an einem Graben stand, Bewundert’ ich des Wassers Reinigkeit.

Des tieffen Grabens klar-nunmehr enteis’tes Raß Stand rings umher mit Gras und Klee bekräntzet, Durch dessen grünen Schein es nicht nur lieblich gläntzet; Es war durchsichtig, wie ein Glas:

So daß mein Blick in dieses Grabens Tieffe Gantz ungehemmet sanck, und, recht als wenn er leer, Und gar kein Wasser drinnen wär’, Mit Anmuth hin und wieder lieffe,

Bald bunte glatte Stein’ auf weissem Sand’ entdeckte, Bald junges Kraut, das hie und da Die zarten Spitzen aufwärts streckte, Nebst grünen Mooß und frischen Binsen sah.

Indem ich nun dadurch gerühret, stand, Und von der Frühlings-Pracht ein inniges Vergnügen Auf dieser glatten Fluth empfand; Sah ich ein halb geformt, halb Form-los Etwas liegen,

Das einem grauen Stein, an Farb’ und Bildung, glich. Kaum daß ich ihn mit Ernst und Fleiß besehe, Fängt der vermeinte Stein sich an zu regen, Begiebt sich allgemach, doch langsam, in die Höhe

Und kommt, mit wenigem Bewegen, Ein Frosch bis auf des Wassers Fläche. Hier schien er, für das helle Licht Und aller Frühlings-Pracht, zu stutzen,

Lag gleichsam gantz erstarrt, und rührete sich nicht. Doch fieng er endlich an sein blöd Gesicht Mit seiner kleinen Hand zu wischen und zu putzen, Stutzt abermahl, und bliebe, lange Zeit,

Vermuthlich überhäufft von so viel Herrlichkeit Und gantz erstannet für Vergnügen, In seiner ersten Lage liegen. Zuletzt gab er, mit fröhlichem Geschrey,

Wie sehr er durch die Welt, da sie so Wunder-schön, Ergetzet und gerühret sey, Mit lautem quacken zu verstehn. Ich sahe dieß bewundernd an, und sprach:

Ach! folgten wir auch deinen Beyspiel nach, Vom Schlaf erwachter Frosch! ach mögten wir Nach dunckler Winter-Nacht, an allen Frühlings-Schätzen, An aller Creaturen Zier,

So, wie du thust, uns auch ergetzen! Ach liessen wir doch Dem, Der alles schuff, zu Ehren, Auch manches frohe Danck-Lied hören! So dacht und wünscht ich noch, als auf einmahl

Ein neues Licht, mit einem schnellen Strahl, Mir in die Seele drang. In einer Dunckelheit In schlammigtem Morast in einer finstern Tieffe Hat, dacht ich bey mir selbst, der Frosch so lange Zeit

Den gantzen Winter durch, gestecket. Wird er nicht gleichsam ietzt als aus dem Grab’ erwecket? Ja wahrlich, lieber Frosch, es stellt dein Zustand mir Und allen Menschen insgesammt

Ein Wunder-schön Exempel für. Es wird mein Geist von neuen angeflammt, Indem er hier den Stand der irdschen Welt, Jm Gegenhalt mit der, die uns, nach diesem Leben,

Der Schöpfer wird im ewgen Frühling geben, Nicht anders sich vor Augen stellt, Als deinen Winter-Aufenthalt, Wo alles schlackrig, wiedrig, kalt,

Bedeckt mit Dämmrung bald, bald dicker Finsterniß, Wo alles unstet, ungewiß, Wo der Gewonheit Schlamm die Augen uns verdeckt, Und der Geschöpfe Pracht für uns versteckt,

Wie wird uns nun, wann wir erblassen, Und wir den duncklen Grund verlassen, Wenn unser Geist (so, wie du durch die Fluth) Sich durch die Lufft erhebt, und aufwärts steiget;

In jener Erden Frühlings-Schein Und seelger Herrlichkeit zu Muth, Wie werden wir erquickt, ja gar entzücket, seyn! Wann wir in den gestirnten Höhen,

In tausendfach vermehrtem Licht, Mit gantz verklärtem Blick, und seeligem Gesicht, Viel tausend tausend Welt’, und tausend Sonnen-Heere, In einem unumschränckt- und lichten Anmuths-Meere,

Wie Inseln herrlich schwimmen sehen! Wird nicht ein solcher Wunder-Glantz So dann in nimmer satten Blicken Der frohen Seele Wesen gantz

Beseeligen, verhimmeln und entzücken? Bis daß die Nacht die Welt in Schatten hüllt, War mein recht inniglich hiedurch gerührt Gemüthe Mit diesen lehrenden Gedancken angefüllt.

So gar, daß mein sanft wallendes Geblüte Nachdem ich mich ins Bett gelegt, Die rege Phantasie bewegt, Und einen Traum erregt,

Der iedennoch so sonderlich, Daß einem wircklichen Gesicht’ er mehr, Als einem leichten Traume, glich. Mich deucht, ich läge kranck, mein Lebens-Oel ver-

Mein Hauch würd’ schwer und schwach, blieb’ endlich völ- Der rege Geist verließ sein lang bewohntes Haus, Kaum daß derselbe sich von seinem Cörper wandte, Als er, nach leichter Blasen Art,

Die aus dem Grund’ im Wasser aufwärts steigen, Mit einer leicht- nud schnellen Fahrt Sich durch die Fluth der Lufft allmählig höher zog, Und im geraden Strich von unten aufwärts flog.

Wie er nun auf der Lufft bestrahlte Fläche kam, Woselbst voll reiner Heiterkeit, Von allen Düfften leer, von allem Dunst befreyt, Die Himmels-Lufft erst ihren Anfang nahm,

Fiel ein gantz ander Licht, Als er allhier gewohnt zu sehn, ihm ins Gesicht. Wie ich nun alles dieß, fast, doch nicht gantz geblendet’, Erstarret übersehn, fiel mein gerührter Blick

Erstaunet auf mich selbst zurück, Ich sah mich durch und durch, mir ward mein wahres Nun allererst bekannt: als wie in einer Schrift, Kunnt’ ich im innersten von meiner Seele lesen

Das, was ich auf der Welt begangen und gestifft, Ja gar was ich gedacht. Kein Spiegel stellt so klar Die cörperliche Vorwürff dar, Als ich mir von mir selbst ein heller Spiegel war.

Was man Gewissen heist Ersüllte meinen gantzen Geist. Ich fand mich gantz entblösst von Wollust, Ehre, Geld, Als eitlen Zielen dieser Welt.

Nur die Gedächtniß meiner Thaten, So wohl die bös, als welche gut gerathen, War bloß allein Mein gantzes Seyn.

Indem ich auf der Lufft, als einem Wasser, schwam, Kam ich mir anfangs vor Fast wie ein Frühlings-Frosch, der in der Winters-Zeit Jm Sumpff und im Morast gestecket,

Der aber, wie der Frühling wieder kam, Nach dicker Nacht, die Sonn im hellen Glantz entdecket, Beschmutzt und sonder Schmuck. Doch eine Reinlichkeit Kunnt ich mit innigem erquicken,

Bald hie bald da noch durch den Schmutz erblicken. Dieselbe Reinlichkeit und heller Schmuck entstunden Aus mancher Lust, die ich alhier In der Geschöpfe Schmuck und Zier,

So lang ich auf der Welt, empfunden. Und die den Geist, der sie zu GOttes Ruhm erblickt, Indem sie nnvermerckt ihm selbst sich eingedrückt, Ob sie es gleich alhier nicht einst gemerckt, geschmückt.

Ich ward hierauf in kurtzer Zeit gewahr, Daß alles schmutzige, vom Wasser aufgelöst, Sich von mir sonderte, wodurch mein Wesen klar Und hell, wie alles, ward, ja auch so leicht zugleich,

Daß ich mich aus der Fluth, worin viel tausend trieben, Die in beständiger Gefahr Noch wieder zu versincken, blieben, Behend erheben kunnt. Ich trat ins Seelen-Reich,

Durchdrungen und durchstrahlt von einem süssen Glantz, Mein Wesen, gantz verklährt, verherrlichte sich gantz. Unglaublich angenehm war alles, was ich sah, Ein ieder Vorwurff gläntzt. Es glimmt in buntem Schein

Feld, Wiesen, Acker-Feld, Gras, Kräuter, Holtz und Stein, Ja was noch mehr, viel tausend Creaturen, Die uns hier unbekannt, wovon wir keine Spuren Hier auf der Welt gesehn, ward ich daselbst gewahr,

Die unansdrücklich schön, und welche nicht zu zehlen, Die aber, weil dazu die Nahmen fehlen, Und keine Wörter ausgefunden, Nicht zu beschreiben sind.

Das Grün war wie das Grün an einem Pfanen-Schwantz, Vermischt mit Klarheit, Licht und Glantz. Die Bluhmen funckeln hier und glühn, Die blauen wie Sapphir, die rothen wie Rubin,

Und was nur sichtbar, ist durchsichtig, hell und klar. Das Licht, das alles hier erfüllet, ist so licht, Daß es durch jeden Vorwurff bricht, Da es so gar den Geist durchdringet.

Wodurch in allem, was man sieht, Indem das Licht, wie hier, davon nicht rückwärts springet, Ein lieblich-froher Glantz und Freuden-Feuer glüht. Ich ward hier durchs Gehör entzückt mehr, als ge-

Weil hier der gantze Kreis der Lüffte musiciret. So ward nicht weniger mein Geist durch einen Schwall Von ausgedünsteter ambrirten Krafft, Aus Pflantzen, woraus überall

Ein edler Balsam-Safft In Uberfluß und unaufhörlich quillet, Gelabt, durchdrungen und erfüllet. Ich streckte meine Hand begierig aus,

Ein Blühmchen abzupflücken, So recht vor andern schön. Allein Wie stutzt’ ich, als ich nichts daselbst befand; Die Finger traffen nichts, was fühlbar war, in ihnen,

Wie sie gegläubet, an, ob sie gleich fühlbar schienen, Weil sie für cörperlich-noch nicht verklärte Hände, Da sie nicht cörperlich, nicht fühlbar seyn. Dieß nun noch ferner zu probiren,

Entschloß ich mich, den harten Stamm Von einer Eichen zu berühren. Allein auch hier war nichts zu fassen. Die gantze Hand ward durch den Baum gelassen,

Als wie durch leere Lufft. Hierüber noch weit mehr Erstannet und bestürtzt, kam ich von ungefehr An einen Fluß, der einen reinen Spiegel An Glätt und Klarheit gleich, der durch bebüschte Hügel

Und lauter Bluhmen floß. Das Ufer, wo mein Fuß, für Anmuth, stille stand, Schien ein fast güldner Sand: Das aber, weil es gäh, mit mir herunter schoß.

Ich fiel, für Angst erstarrt, von oben in die Fluth. Ohn’ alle Hoffnung meines Lebens: Jedoch, wie wol ward mir zu Muth! Mein Schrecken war vergebens.

Die Fluth hatt von der Fluth für mich nur die Figur, Und ungefehr der Lufft Natur, Die weder netzet noch erstickt. Ich gieng demnach durch diese trockne Wellen,

Von ihnen nicht gehemmet noch gedrückt, Biß zu derselben grünen Grentzen, Wo Millionen Bluhmen gläntzen, Zum andern Ufer fort: Die allerdicksten Hecken,

Dergleichen ich auf Erden nie gesehn, Fand ich daselbst, voll starrer Dornen, stehn: Die aber mir den Durchgang nicht verwehrten, Noch im geringsten mich versehrten.

So bald ich nun mit ungehemmten Gang Durch die verwachsnen Hecken drang; Befand ich mich auf einem weiten Platz, Der grün, wie ein Smaragd, in welchem Bluhmen stunden,

Die alle, wie ein reicher Schatz Von lieblich spielenden Opalen, Mehr Glantz als Farben von sich strahlen. Ein lieblicher Oranjen Wald

War an der rechten Hand ein rechter Aufenthalt Von Anmuth, Ruh, Zufriedenheit und Lust. Hier traff ich, halb entzückt, so schöne Menschen an, Daß ich, wie sehr mich ihre Schönheit rührte,

Und wie die Lust so groß, Die ich in ihrem Ansehn blos Bey mir verspührte, Unmöglich recht beschreiben kann.

Kurtz, es war ihre Zier Recht so wie wir uns hier Die Engel vorzustellen pflegen, Die Schimmer, Glantz und Licht in ihrem Wesen hegen.

Allein! Was recht verwunderlich, Es schien kein eintziger für sich, Hingegen alle blos

Vom Gantzen nur ein Theil zu seyn. Es war die Eintracht groß, Ja wunderbar und ungemein. Recht wie in einem Krieges-Heer

Sich Regimenter so vereinen, Daß an Bewegung sie nicht anders scheinen, Als wenn es nur ein einzger Cörper wär; So, doch weit inniger annoch vereint,

War dieses Geister-Heer, da sie ein wircklich Ein, Wenn sie sich gleich zertheilen, seyn. Es schien, ob herrschte nur ein Wille In dieser gantzen Schaar. In einer regen Stille

War überall Ein unausdrücklich süsser Schall, Ein süß harmonisches Gethön Nicht nur zu hören, auch zu sehn.

Die Lust die einer fühlt’, empfand sogleich ein ieder, Nicht anders wie bey uns die andern Glieder An einem Cörper das zugleich ergetzet, Was ein Glied in Vergnügung setzet.

Daher war ihnen nichts als eine stete Lust, Die allen allgemein, bewust. Es sucht kein eintziger für sich allein Beglückt zu seyn;

Sie theilten sich auf eine süsse Weise, Dem Schöpffer aller Welt zum Preise, An iedem Ort, bey iedem Schritt, Einander ihre Freude mit.

So wie auf Erden keine Lust Der Menschen Brust Mit einem tieffern Eindruck rührt, Als wenn durch Wechsels-weis’ erregte Triebe

Die Anmuth zugelassner Liebe Ein paar verbundner Hertzen spührt; So ist ja leichtlich zu begreiffen, Wie vielfach sich ein inniges Ergetzen

In dieser Menge müsse häuffen, Und sie in seelge Lust versetzen, Da ihrer viel in seelger Brunst sich üben Sich immer mehr und mehr zu lieben.

Solch eine Schaar bestand aus mehr Als zehn mahl hundert tausend Seelen, Die alle, zu des Schöpfers Ehr, In ihrer Lust, die Macht und Lieb erzehlen,

Die täg-ja stündlich sich bey ihnen noch vermehrt. Hierüber wacht ich auf. Und ob mir gleich die Pracht So vieler Schön- und Seltenheiten, So ungemeiner Herrlichkeiten,

Lust, Anmuth und Vergnügen bracht; So war ich doch von der Durchdringlichkeit Der dort gesehnen Creaturen Noch mehr, als den vortrefflichen Figuren,

Recht inniglich gerührt. Wie die Beschaffenheit, Daß sie nicht fühlbar sind, nicht nur ein klares Zeichen Von ihrer steten Daur, (da blos dadurch allein, Daß hier die Cörper fest und undurchdringlich seyn,

Sie den Verändrungen fast unaufhörlich Sind ausgesetzt, und ihnen müssen weichen, Einfolglich stets vergänglich und zerstörlich, Und unbeständig sind:) so zeigt es gleichfalls an,

Daß, wie man ja nicht leugnen kann, Dergleichen Wesen seyn und leben müssen, Wir auch daher nicht unwahrscheinlich schliessen, Daß man vielleicht auch schon in diesem Leben

Mit Creaturen sey ümgeben, Die so, wie jene dort, nicht fühlbar, aber doch Nicht minder würcklich sind. Dieß war zuerst, was ich aus meinem Traum gedachte,

Bis er mich ferner noch auf die Gedancken brachte: Ich war von den vereinten Schaaren, Die, da sie mit unzehligem Vergnügen, So allen allgemein, sich fügen,

Und Glieder eines Cörpers waren, Recht sonderlich von neuen eingenommen, Bis ich dadurch auf die Gedancken kommen: Wie, dacht ich, kann es möglich seyn,

Daß Menschen iemahls auf der Erden Vergnügt und glücklich können werden? Da ieder blos für sich allein Gedencket, handelt, ist und lebet,

Da ieder für sein einzigs Ein, Mit aller Ausschluß, sorgt und strebet; Da ieder Wollust, Ehre, Geld, Des Glückes Vorwürff’ in der Welt,

Auf solche Art für sich begehrt; Daß das, was er erhält, Ein andrer missen muß. Je mehr dein Gut sich mehrt; Je mehr beraubst du mich

Desjenigen, so mein geliebtes Ich Erhalten und besitzen könnte. Wie wär es denn, nach meiner Eigen-Liebe, Die mich, nur mich zu lieben, triebe,

Doch möglich, daß ich dir es gönnte? Wenn nicht die Furcht der Straff’ allein, Die auf Entwältigung gesetzet seyn, Mir die natürlichen Begierden und Gedancken

Zwar in die vorgesetzte Schrancken, Jedoch fürwahr gezwungen, hielten. Der Zwang allein ist der Ratur so sehr Entgegen und zuwieder;

Daß sonder Zweifel sich ein ieder, Müst er sich nicht befürchten oder schämen, Das meinige mir weg zu nehmen, Sich ohne Zweiffel leicht bequemen,

Und schnell entschliessen würd’. Es zeigt sich dieses klar: Weil eben auf den Raub der Ehre Kein’ Art von Straff’ absonderlich gesetzt, Und daß man, ohn Gefahr,

Des Nächsten Leumuth raubt, und ihn dadurch verletzt; So seh man doch, wie wir zum tadlen, affterreden, Zum lästern, spotten, zum verdrehn, Die Menschen unter sich so fertig sehn.

Es wird sich keiner leicht entblöden, Um ins geheim sein Ich hinauf zurücken, Des Nächsten Ruhm zu unterdrücken, Und bloß, daß man ihn möge klüger heissen,

Des Nächsten Ehren-Bau herüm zu reissen. Pfuy! daß man, wieder alle Pflichten, Sich nicht entsieht, für sich, was man dem Nächsten stahl, Zu nehmen, und sein Ehren-Mahl

Auf jenes Schand-Mahl aufzurichten! Wie nöthig hier in dieser Welt Die Nächsten-Lieb’, und die Geselligkeit, Hat Moses im Gesetz uns nicht nur vorgestellt;

Selbst Christus hat der Christenheit Nicht unsre Freunde nur, so gar den Feind zu lieben, Als wie ein solch Gebot zur Regel vorgeschrieben, Das fast dem grössesten Gebot nicht weicht,

Und sich an Wichtigkeit dem GOttes-Dienst vergleicht. Je mehr wir diese Lehr erwegen, Je mehr strahlt eine Göttlichkeit, Erkenntniß, Wahrheit, Heil und Segen

Aus ihr, als wie ein Licht. Kein Laster scheint fast übrig mehr zu bleiben, Könnt einer nur Von unsrer menschlichen Natur,

Der Eigen-Liebe Gifft vertreiben. Es ist daher gewiß, und bleibt dabey, Daß die Geselligkeit und Nächsten-Liebe Nicht nur ein Feind der lasterhaften Triebe,

Nicht nur der Inbegriff von aller Tugend sey; Nein, daß vermuthlich gar in jener seelgen Höhe Hierin ein grosses Theil der Seeligkeit bestehe, Durch andrer Freud und Lust die seine zu vermehren:

Da sich auf solche Weis’, ohn alle Maaß und Zahl, Vergnügungen und Anmuth auf einmahl, Stat einer einzigen auf dieser Welt, In steter Fülle zu uns kehren.

Ach wenn doch dieser Satz, nächst unsrer Glaubens-Lehre, Die Richtschnur unsers Lebens wäre! Wir würden nicht nur glücklich hier allein, Wilt du geliebet seyn, so liebe)

So gar, von vielen Sünden rein, Auch dort vergnüget seyn.

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