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1680–1747

Der Chamäleon.

Barthold Heinrich Brockes

Auch ist der Chamäleon, mancher Ursach' halber, werth, Daß in seinem sondern Bau man bey ihm den Schöpfer ehrt.

Wunderbar an diesem Thier ist die wandelbare Haut, Als worinn man alle Farben, in beständ’ger Aendrung, schaut, Die dieselbe von den Körpern, die ihr nahe liegen, nimmt.

Seine Augen scheinen gleichfalls zur Verwunderung be- stimmt, Da die Aepfel sich nicht drehn, wie an allen andern Thieren, Wenn er sehen will, so muß er das ganze Auge rühren,

Und zwar beyde nicht zugleich, sondern, wenn er eines dreht, Wird man insgemein gewahr, daß das andre stille steht. Aus dem nie geschloßnen Maul schießt er eine lange Zunge Mit so großer Schnelligkeit, daß man sie kaum sieht.

Die Lunge Ist an ihm besonders groß. Alle Würmer, Fliegen, Mücken Weis er durch die Schnelligkeit seiner Zunge zu berücken.

Zwar ist nicht viel Fleisch an ihnen, Doch soll den Cochinchinesern es zur süßen Nahrung dienen. Es wird auch in Arzeneyen von verschiedenen genommen, In sehr vielerley Gebrechen soll es uns zu Nutzen kommen;

In den Fiebern, Podagra, auch in denen bösen Seuchen, Sollen sie, wie mans erfahren, öfters schnelle Hülf uns reichen.

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