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1680–1747

Der Auer-Ochs und der Tieger.

Barthold Heinrich Brockes

Hier zeigt sich die Gerechtigkeit, hier wird die Grau- samkeit gestraft, Und manch verschlungnes Thier gerochen. Der Auer, der halb tugendhaft,

Nie, als bis er gereizt, verletzet, bringt mit nicht unge- rechtem Grimm, Durch Vorsicht, Tapferkeit und Stärke, den mordbegier’- gen Gegner üm.

Er drückt die fast gestählten Hörner dem Tieger in die Därmer ein; Man hört sein Angst-Geschrey mit Lust, und sieht mit Anmuht seine Pein.

Man merkt an seiner schwehren Bratzen sich ängstlich- spreizendem Gewühle, Auch an dem finstern Feu’r im Aug’, daß er sein nahes Sterben fühle.

Sein reger schnell-gedreh’ter Schweif wird bald erstarren und sich strecken, Und ein von seiner Mörder-Seele verlaßnes starres Aas entdecken.

Des starken Siegers stramme Sehnen, die er erzürnt zu- sammen rafft, Belebt von regen Nerven-Geistern, giebt allen seinen Muskeln Kraft.

Man sieht, wie hier des Schauers Blick sich an der Grau- samkeit vergnüge; Wir sind dem Auer-Ochsen gut, und nehmen Theil an seinem Siege.

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