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1680–1747

Das wilde Pferd.

Barthold Heinrich Brockes

Bebt und zittert nicht der Boden? Welch ein Strampfen hört man hier? Welch ein Schnauben füllt die Luft! Weicht! ein wild-doch schönes Thier

Sprengt daher in vollem Rennen! Halt! es stutzt, es bäumet sich. Scheint es doch sich aufzuhalten, daß man recht und eigent- lich

Seines Cörpers schönen Bau, seines Hufs und Schenkels Zier, Seinen edelmüht’gen Anstand, seinen Wuchs betrachten könne,

Und gebührende Bewundrung Dem, der es erschaffen, gönne. Welch ein hell- und ernster Strahl blitzt aus seinem Aug’ herfür!

Die verworrne Mähne flieget. Seht, wie spielt sein reges Ohr! Seht, es peitscht sein Schweif die Luft! Seht, wie an ver- schiednen Stellen,

Von dem wallenden Geblüt, die gedehnten Adern schwellen. Bricht doch aus geschwärzten Wolken kaum so hell ein Stern hervor, Als der Stern an seiner Stirn, von dem dunklen Haar

begrenzet, Mitten an dem netten Kopf, zwischen beyden Augen, glänzet. Wie dieß Thier ein Meisterstück von der bildenden Natur; So ist die durch wenig Striche hier gebildete Figur

Auch des Meisters Meisterstück. Laß dieß Bild das letzte seyn, Ich kann dir nicht weiter folgen, allein.

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