Jüngst gieng ich nebst Fabricius, Den, ohne Neid fast, selbst der Neid bewundern In einem zierlichen, am klaren Alster-Fluß Belegnen, grossen Blumen-Garten,
Worin, von mehr als tausend Arten, Viel hundert tausend Blumen stunden, Die wir durch ihre Meng’ in solchem Glantze funden, Daß, durch den Ubefluß der Lust
Der uns fast mehr erfüllt’ und drengt’, als rührte, Das Hertz in unsrer Beyder Brust Sich gleichsam echt gedruckt, und sanft-gepreßt verspührte. Wir stutzten erst vor übermachter Freude
Und, durch die bunte Gluth der Blumen angeflammt, Gedachten wir mit Lust und Ehrfurcht alle beide An den, aus dessen Kraft, Luft, Erd’ und Himmel stammt. Es brach ein froh
Gott Lob! der sich bey uns in solcher Schönheit kund Und gleichsam sichtbar macht! Le Fevre, welcher sich zugleich bey uns befand Le Fevre eine Zier von seiner Vater-Stadt,
Und der, zu meiner Ehr, mit mir verwandt, Bewunderte nebst uns und ehrt’ in ihrer Pracht Die GOttheit ebenfals. Als eben Böckelmann, Des schönen Gartens Herr und Pfleger, zu uns trat
Und, wie er uns sehr höflich angesprochen, Auch für uns eine gute Zahl Erlesner Blumen agebrochen, Kam er von ungefehr auf seine Morgen-Zeit.
Nicht auszudrücken ist die Lust, die ich verspühre, Sprach er, wenn ich, schon früh’ um viere Der Blumen ungezehlte Zahl Jm von der fühen Sonnen Strahl
Gefärbt- und gantz durchdrungnen Thau In einem himmlischen, nicht ird’schen, Firniß schau. Ich fühle, wie so denn die allgemeine Stille, Die dann die Welt beherrscht, auch mein Gemüth erfülle.
Dieß ist die schönste Zeit, diß sind die schönsten Stunden! Nur dauret mich, daß sie von Menschen auf der Erden So wenig nur empfunden Und mehrentheils verschlaffen werden.
Wir traureten und freuten uns mit ihm. Hierauf kan man von ungefehr Von neuem auf der Blumen-Heer: Man sprach: Bewunderns wehrt ist, da der Blumen
In allen Farben glimmt, daß die Natur von ihnen Doch keine grün gemacht. Wir andern stimmten bey Und dachten, daß dem Laub’ und Gras’ allein im Grünen
Zu gläntzen vorbehalten sey. Drauf ging, mit sanften Schritten, Herr Böckelmann von uns, kam aber bald hernach, Mit ja so sanften Schritten, wieder;
Und, sonder daß er etwas sprach, So legt’ er in der Mitten Auf unsern Tisch drey grüne Blumen nieder, Wodurch er, daß wir uns geirrt
Uns überzeuglich überführte. Wir sahn einander an. Halb lächelnd, halb verwirrt, Gestunden wir, zu seiner Ehr, Daß dieß die beste Art zu überzeugen wär.
Nachhero nahmen wir der grünen Blumen Pracht, So ein’ Anemone, bewundrungs-voll in acht, Da jeder dann, nachdem wir sie recht wol beschaut, Gestand, daß auch das schönste Kraut
Kein schöner Grün fast zeigen kann. Hierüber stimmten wir zuletzt der Meynung bey, Daß alles, was in der Natur So wol an Farben als Figur
Nur möglich, auch vermuhtlich wircklich sey. Herr, meine Lust sind deine Wercke. Ach, gieb, daß mancher auch mit mir, O aller Dinge Quell, sie, dir
Zum Ruhm, mit Lust und danck, bemercke!
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