Der Sitz, wodurch ich, abgesondert von Menschen, einsam und allein In ungestörter Ruhe sitze, wo mich des falschen Neides Stein,
Da ich so weit von ihm entfernt, und ihm nicht sichtbar bin, nicht trifft, Wo weder bittrer Haß noch Zank, noch der Verleumdung falsches Gift
Mich, weil man mein vergißt, nicht quälet. Mein Thürm- chen, wo ich, ungestört, Die schöne Welt, als GOttes Werk, und als des grossen Schöpfers Bau,
Von Erde, Luft und Fluht verbunden, und wunderbar gefügt, beschau, Ist einer eigenen Beschreibung, zur stetigen Erinn’rung, wehrt.
Wie ich zuerst herunter kam, um die Gelegenheit zu seh'n Des Amts und Schlosses Thürmchen sah,
Das damahls ungebrauchet stand, so wußt’ ich kaum, wie mir geschah. Mir war, als wenn er zu mir spräch’: Komm, laß mich dir zu Dienste steh'n,
Du kannst an keinem andern Ort, wie Erde, Luft und Fluht so schön, Mit größrer Deutlichkeit betrachten. Hier kannst du ruhig ganz allein,
Von aller Hinderniß befreyt, vom Welt-Geräusch entfernet seyn. Die Rede drückte sich so gleich so tief in meine Sin- nen ein,
Daß ich, nur bald her ab zu kommen, den Zug in mir verstärket fühlte, Und von der Zeit mit meinem Denken auf nichts, als Ritze büttel, zielte.
Jtzt, da ich, nach verschiednen Fällen, GOtt Lob! nunmehro hergekommen, Und die so lang’ erseufzte Stelle bereits schon in Besitz genommen,
Hab’ ich zuvörderst GOtt gedankt, und dank’ Jhm noch, nebst innerm Fleh'n, Daß die Gewohnheit, wie gewöhnlich, mir Hören, Riechen, Fühlen, Seh'n,
Und, in den Sinnen, Lust und Dank nicht rauben möge! Daß ich nimmer, Ohn’ innre Freud’ an GOttes Werken, und mir geschenktem Guht, dieß Zimmer
Betreten noch gebrauchen möge! Um meine Lust oft zu ermessen, Und dieses Thürmchens Lage, Reiz und Anmuht nimmer zu vergessen,
Soll itzt, so deutlich als ich kann, dasselbe, nebst dem Theil der Erden, So man aus ihm mit Anmuht sieht, betrachtet und beschrie- ben werden:
Ein Regel- rechtes Acht-Eck theilt des Thürmchens Ründe richtig ein, Wovon fünf Fächer nichts als Fenster, aus welchen, wegen seiner Höhe,
Ich, über alle Häus- und Felder, das Grenzen- lose Wasser sehe, So allesammt die schönsten Vorwürf’, in einer schönen Land- schaft, seyn.
Weil nun die Lage dieses Thürmchens Nord-Ost-werts; trifft der Sonnen-Schein, Nur bloß des Morgens, meinen Sitz, und bin ich, wenn der Mittag blitzet,
Durch des erhabnen Schlosses Mauer, die Süd-werts lieget, so beschützet, Daß ich, in einem kühlen Schatten, an diesem Ort, den ganzen Tag,
Die überall bestrahlte Vorwürf’, auf Land und Fluht, zu seh'n vermag. Von dem von hier zu sehenden, so weiten Kreise des Ge- sichts,
Von den so vielen Gegenwürfen von Wiesen, Feldern, auf dem Lande, Von den nicht wenigern im Wasser, auf dem Betrachtens- wehrten Strande,
Und überall uns, durch den Glanz des all’s erhell’nden Son- nen-Lichts, So hell- gezeigten Gegenwürfen, hab’ ich, zwar im Zusam- menhange,
Bereits vorhin schon was geschrieben; doch war dasselbe lange, lange Nicht alles, wie auch dieses hier, nicht alle Vorwürf’ unsren Augen,
Die hier mein hoher Sitz uns zeiget, nach Würden zu erschöpfen taugen, Weil Meng’ und Schönheit gar zu groß. Damit der Vor- würf' Ueberfluß
Nun durch die Vielheit uns nicht blenden, und am betrach- tenden Genuß Uns nicht mehr hindern mög’, als nützen; so theil’ ich alles, was ich sehe
In der nicht abzuseh’nden Landschaft, so in der Weit’, als in der Nähe, Durch der fünf Fenster Oeffnungen, in fünf gevierte Fächer ein,
Die denn fünf prächt’gen Schildereyen, durch solche Thei- lung, ähnlich seyn. Ach, möcht’ hierinn des Urbilds Schönheit, dieß schöne Theil von unsrer Erden,
In meiner mühsamen Copie, nicht gar zu sehr verstellet werden!
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