Wie unter so viel tausend Gaben Auch billig für des Mondes Schein, Wo wir nicht unerkänntlich seyn, Wir GOtt zu dancken Ursach haben,
Als wodurch, wenn der Sonnen-Licht Mit seinen Strahlen uns gebricht, Wir doch dasselbe wunderschön Jm Wieder-Schein, im Duncklen, sehn;
So find ich, wenn mans recht bedencket, Daß GOtt uns durch der Sonnen Glut Noch ein nicht minder herrlich Gut Und einen Mond-Schein täglich schencket.
Wie an den Mond die Strahlen fallen Und dadurch, daß sie rückwerts prallen, Glantz, Schimmer, Klarheit, Licht und Schein, Die sonst nicht würden sichtbar seyn,
Uns in der Dunckelheit gewähren; So fallen Strahlen an den Duft Der unsre Welt verhüll’nden Luft, Wodurch sie uns ein Licht gebähren,
Daß man zwar alle Tage sieht, Jedoch sich leider nicht bemüht Dieß grosse Wunder zu betrachten, Und es des Denckens wehrt zu achten.
Zweymahl an einem Tag’ allein Vertritt die Luft des Monden Stelle, Und machet, da der Sonnen Licht Der Erden noch und schon gebricht,
Dennoch den Kreis der Erden helle. Wenn nicht die Luft die Welt bedeckte, Wär unvermeidlich alsobald, So bald die Sonne sich versteckte,
Die Welt der Schatten Auffenthalt. Ja so pech-schwartze Finsternissen Würd’ alles plötzlich sincken müssen, Daß früh der Sonnen Blick und Pracht,
Durch ein so schnell und strenges Funckeln; Des Abends die stock-finstre Nacht, In ja so schnell und strengem Dunckeln, Das zarte Wesen unsrer Augen
Nicht würde zu ertragen taugen. Es würde was da lebt auf Erden Gewiß dadurch geblendet werden. Ist es denn nicht der Mühe wehrt,
Dis Wunder wol zu überlegen, Der Dämmrung Nutzen zu erwegen, Wodurch uns GOtt das Licht vermehrt; Indem man früh so wol, als spat,
Das Licht viel ehr und länger hat. Man wird daher mit Rechte können Den Luft-Kreis einen Mond fast nennen, Da er die Sonne, eh sie steiget,
Auch wenn sie sich bereits geneiget, Nicht anders, wie der Mond, uns zeiget. Es scheint hiedurch um unsre Welt, Wie um Saturn, ein’ Art von Circkel vorgestellt.
Wie kömmt es nun, daß solch ein Licht, Daß solch ein grosser Cörper nicht, Ob selbiger, in einem Stück, Gleich mehr als sieben Meilen dick,
Ob wir von ihm gleich gantz umgeben, Ob wir gleich in und durch ihn leben, Daß, sag ich, solches nicht betrachtet, Die Macht des Schöpfers nicht geachtet,
Nicht angebetet, nicht verehrt, Nicht einst bemercket wird von Geistern, Die, wenn man sie sich nennen hört, Sich aller Wissenschaft bemeistern?
Von Menschen, deren Schuldigkeit In nichtes sollt so sehr bestehen, Als Göttliche Vollkommenheit In seinen Wercken anzusehen;
Als für so viele Lieb’ und Güte Sich, mit erkänntlichem Gemühte, Dem Schöpfer danckbar zu erzeigen, Zu ihm durch sein Geschöpf zu steigen,
Durchs sicht-zum unsichtbaren Licht? Woher dieß kommt? Das weis ich nicht.
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