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1680–1747

Das schöne Blau.

Barthold Heinrich Brockes

Indem ich mein gerührt Gesicht, Mit einem ernsten Blick und mit Bedacht, Auf die, an Farb’ und Glanz, dem Himmel gleiche Pracht Der lieblichen

Bewundernd richte, sie betrachte, Und von der Farbe dieses dachte: Unmöglich kann ein blauer Schein So angenehm, so lieblich seyn,

Und unser Auge mehr vergnügen; Sah ich ein noch viel schöners fliegen. Es flog, als recht von ungefehr, Ein Grase-Pferdchen hin und her;

Ja, recht als wenn es haben wollte, Daß ich es auch bewundern sollte; Hemmt es sein flüchtiges Gefieder, Und setzte sich selbst auf das Blühmchen nieder,

Das ich, an seinem Schmuck, worinn es spielte, Für völlig unvergleichlich hielte. Es schien, ob wollt’ es dadurch zeigen, Daß, in der bildenden Natur,

Sowohl an Farben als Figur, Die Kräfte noch viel höher steigen, Als wir, ob selbe noch so schön Uns in die Augen fallen, sehn.

Er legte sein noch stärker Himmel-Blau Voll Glanz, als wie mit Fleiß, indem es sich nicht regte, Recht, als im Gegenhalt, zur Schau. Es ward, durch seinen Glanz bewogen,

Mein Blick auf dieses Thier allein gezogen. Ich stutzte recht, als ich den Glanz erwegte, Den schönen Schmelz, die Klarheit überlegte, Die auf demselben mehr zu glühn,

Als seine Haut zu färben, schien. Mein GOtt! fing ich, voll Freuden, an, Gerührt durch dieß sapphirne Glänzen, Wer ist, der Deiner Wunder Grenzen,

Jm Kleinsten nur, ergründen kann? Mir stellt nicht nur an diesem Thier Des Cörpers Zierlichkeit und Bau; Mir stellt sein wunderschönes Blau

Ein tiefes Meer von Schönheit für, Ein unerschöpflichs Meer von Schätzen, Die Creaturen zu ergetzen, Das dies’ und alle Welten füllet,

Und welches aus der Gottheit quillet. Es führet mich sein schönes Kleid Auf eine neu- und klare Spur Zu einer Unermäßlichkeit,

Auch selbst im Reiche der Natur, Die mir in der Geschöpfe Pracht, Mit hellen Farben, deutlich zeiget, Wie weit des Schöpfers Lieb’ und Macht,

Und Weisheit, auf der Welt, auch nur In Dingen, welche sinnlich, steiget. Und dieses treibt mich mehr und mehr, Daß ich, mit recht gerührter Brust,

Und einer Ehrfurcht-vollen Lust, Den Schöpfer, in Geschöpfen, ehr’.

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