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1680–1747

Das Schaf.

Barthold Heinrich Brockes

Von allen Thieren in dem Thierreich wird fast kein einziges gefunden, In welchem, zu des Menschen Besten, so gar viel nütz- liches verbunden,

Als in den sanft- und frommen Schafen. Es nützt von dem, was an ihm ist, Ein jedes Glied und alle Theile; das Fleisch, die Milch, die Haut, die Klauen,

Die Wolle, die Gedärme, Knochen, die Hörner, ja sogar der Mist. Es speist und tränket uns das Schaf, es kleidet uns. Die Länder bauen,

Verspüren durch dieß holde Thier, zumal durch seine Fruchtbarkeit, Verschiednen Segen, werden reich, und auf verschiedne Art erfreut.

Es zeigt die alt’ und neue Zeit, wie mancher Nutz aus Schafen sprieße, Und scheint daher das Sprüchwort wahr: es hab’ ein Schäfgen güldne Füße.

Ja, wenn ich es recht überlege, so scheint an diesem Thier allein Sein Körperlichs nicht nur zu Nutzen, es scheint sogar des Geistes Wesen

Zu einem Sinnbild holder Sanftmuth und der Geduld für uns erlesen, Und dieß Thier ein belehrend Thier, ein Bild der Fröm- migkeit, zu seyn.

Wer etwan meynt, dieß sey zu viel, der darf nur Hirten- lieder lesen;

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