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1680–1747

Das Rennthier.

Barthold Heinrich Brockes

Mein erfrorner Blick erstarrt, da ich wahres Eis, auch Schnee, Und von Eis - Gebirg - und Schollen, alles hier erfüllet, seh. Mich verblendet diese Weisse, die die schwarze Luft noch stärkt, Daß mein Auge kaum die Stralen der entfernten Sonne

Welche, mit gefärbten Streifen, die beeiste Luft vergüldet. Wird denn hier, durch Schwärz und Schatten, Schnee und Doch was fährt daher? ein Rennthier. Möchte doch auch Daß ich es betrachten könnte! Gut. Es starrt, es stehet still,

Und, als ob es sich von uns recht beschauen lassen will, Scheinet es, zum fernern Lauf, alle Kräfte zu verlieren. Welch ein stark und rasches Thier! welch ein prächtiges Das sich vorn und hinten streckt! wie ein Pferd ist es gemähnet,

Einem Kalbe gleicht sein Haupt. Einige sind wild und frey; Andere sind, uns zum Dienst, zahm, und sonderbar gewöhnet. Dieses Thier nun zu erhalten, sind die Kosten gar nicht groß, Denn es kratzt, zu seiner Nahrung, ein verworfnes weisses Mooß,

Das in öden Feldern wächst, selber unterm Schnee, herfür, Und dennoch sind Fleisch und Haut, Knochen, Sehnen, Milch Allesamt dem Menschen nützlich. Wird denn, auch in diesem Seines Schöpfers Weisheit, Allmacht, samt der Huld, nicht

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