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1680–1747

Das reifende Getrayde.

Barthold Heinrich Brockes

Mit einer innern Lust und Freude Beschau ich täglich mein Getrayde, Das heuer so vortrefflich steht, Daß mancher, dem es nicht gehört,

Doch öfters GOtt bewundernd ehrt, Und Jhn, durch ein GOtt Lob! erhöht. Noch neulich sah ein Ackersmann Bewundernd diesen Segen an,

Und sprach: Daß er sich unterstünde, Zu wetten, daß auf hundert Meilen, In allen ganz vollkommnen Theilen, Man keinen bessern Rocken fünde.

Der Halm ist hoch, die Aehre groß, Das Korn ist grob und ganz fast bloß, Indem die Sich meistens abgerieben finden.

Die Körner glimmen recht und glänzen, Durch die Behälter, welche sie, Nicht ohne Müh, Annoch begrenzen.

Durch ihre Grösse sind die Hülsen recht gedrengt, Und scheinen gleichsam aufgesprengt, So, daß man öfters nichts, als die fast güldne Saat, So eng’ gepreßt, als Körner im Granat,

An lauter grossen Aehren siehet. Die Körner sitzen im Quadrat, Und scheinen, da sie gleichsam gülden, Ein gülden Viereck abzubilden.

Der Aehren Blond scheint gülden auch, doch matt, Das Gold der Körner aber glatt. Der Glanz, womit sie angefüllt, Und der sie gleichsam überziehet,

Zumahl wenn das Getrayd’ im Strahl der Sonnen glühet, Entsteht durch ein klein Sonnen-Bild, Das man auf ihrer glatten Haut, Wenn man es recht betrachtet, schaut.

Vom Fuß der Aehren an bis an der Spitzen Ist alles von den kleinen Blitzen Recht lieblich angefüllt. Wie angenehm, wie schön Dieß, nicht für ein betrachtend nur, ein Eigner-Auge, zu

besehn, Wird jeder leicht gedenken können. Beym täglichen Spatzierengehn Hab’ ich, GOtt Lob! daß Er mirs wollen gönnen,

Und auch in dieser Frucht mir so viel Guts erwiesen, Den Schöpfer wenigstens in meiner Lust gepriesen. Ich dank’ Jhm auch annoch in dieser Stunde, Mit froher Feder, Herz und Munde,

Erkenne, daß von Jhm allein Wir auf der Welt gesegnet seyn! Ich wünsche, daß Er diesen Segen Zu rechter Zeit laß in die Scheuren legen,

Und daß wir Jhn auch denn von Herzen preisen mögen!

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