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1680–1747

Das Eulchen.

Barthold Heinrich Brockes

Am Abend saß ich jüngst, gelassen und in Ruh, In einem kleinem Garten-Zimmer, Und sah durchs Fenster-Glas, wie sich des Tages Schim- mer

Gemach verringerte: Die Schatten nahmen zu. Indem erblicket’ ich ein ämsiges Geschwebe. Von einer Spinnen war ein ziemlich starck Gewebe Jm Zimmer, vor den Scheiben her, gespannt,

Und, zwischen dieser falschen Wand, Sah ich am Scheiben-Glas’ ein weisses Eulchen fliegen Stets auf und nieder, hin und her. Es schien, ob sucht’ es blos am Lichte sein Vergnügen,

Und, daß es blos dadurch gesichert wär. Jhr schwartzer Feind, die Spinne, ruhte nicht, Sie lieff’ bald in die läng’, bald in die qver, Mit offuen Klauen, doch des Himmels Licht,

Des Eulchens Augenmerck, wodurch es nicht zurücke, Und nur stets vorwerts flog, befreit es von dem Stricke Und seinem Untergang, indem es ungefehr, Nach langem Flattern, in der Scheibe

An eine Spalte kam, Und durch dieselbige sich seinem Tod’ entzog, Die Freyheit frölich nahm, Und nach dem lang gesuchten Lichte flog.

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