Als Gottlieb jüngst zween Freunden, auf dem Garten, Zwo Hyacinthen, voll gefüllter Glocken, gab; Nahm er gar bald an ihrer Handlung ab, Wie ihr Gemüth und Sinn so unterschiedner Arten.
Aurander nahme sie mit trägen Händen hin, Und steckte sie, nicht lang’ hernach, Indem er von vermehrten Renten sprach, Zerdrücket und geknickt in seine Tasche. Jener
Auf seine Bluhm’, und rieff: Ach! kann wol etwas schöner, Als diese Bluhme, seyn! Welch einen reinen Silber-Schein, Welch eine liebliche Figur
Hat, von den Fingern der Natur, Dieß holde Kind des Frühlings überkommen! Wie klar ist dieses Weiß! wie gläutzend! auch die Haut Der schönsten Schönen auf der Welt
Verlieret, wenn man sie bey diesem Schimmer hält, Und eine bey der andern schaut, Den Preis, und scheint beschmutzt. Die röthlich weisse Die, in dem innersten, der Bluhme kleine Höle
Mit süsser Röthe füllt, füllt meine frohe Seele, Mit ihrem holden Reitz. Ich fühle zarte Flammen Aus dieser röthlichen und weissen Klarheit stammen. Es scheint der Bluhmen reiner Schein
Ein Sinn-Bild einer reinen Seele, Worin ein Feur der Liebe glüht, zu seyn. Ich wünsche wenigstens, daß meine Seele, rein Von Lastern, durch die Triebe
Von der aus Danckbarkeit in mir entstandnen Liebe, Zu Dem, der Seiner Wercke Pracht So wunderbar hervor gebracht, In solcher süssen Gluht entbrenne;
Und daß mein Nächster sich an mir, Wie ich, geliebte Bluhm’, an dir Mich freue, stets erfreuen könne. Ja, da die Bluhmen wunderbar
Bemüht sind, ihre Krafft so lieblich auszuhauchen, So wünsch ich, daß mein Hertz, als wie ein Danck-Altar, O Schöpfer, Dir zum Ruhm, mög’ unaufhörlich rauchen! Was meinst du nun von diesen beiden,
Geliebter Leser, wer hat GOttes Creatur, Wie sichs gebührt, gebraucht? und wessen Spur Hältst du dich pflichtig zu vermeiden? Hat an dem ersten selbst der Schöpffer nicht
Der Schöpfung End-Zwecks gar verfehlet? Und hat Beraldo nicht, zufolge seiner Pflicht, In seiner Lust
Cookies on Poetry Cove