Skip to content
1680–1747

Cörperliche und geistige Grösse.

Barthold Heinrich Brockes

In des Himmels tiefen Ferne Seh ich Millionen Sterne, Und bewundre Zahl und Schein, Auch die ungeheure Grösse

Dieser herrlichen Gefässe, Welche nicht zu messen seyn. Ich erstaunt’ ob ihrer Schaar! Wie ich nun mit ihnen mich

Und mein Cörperchen verglich; So verschwand ich ganz und gar. Ach! fiel mir darüber ein: Kann ein Wesen, das so klein,

Denn so übermühtig seyn? A. Jmmer bringst du solche Dinge, Jmmer machst du so geringe, Was doch so unschätzbar ist.

Ist der Mensch denn etwan, bloß Seines Cörpers halben, groß? Nein. Sein unumschränkter Geist Ist, der unsre Grösse weist.

B. Mit recht aufgeblas'nem Muhte Thust du dich, auf deinen Geist, Jmmer etwas Rechts zu gute, Der sich unumschränkt fast heißt.

Aber hör! der Gottheit Wesen, Das du dir, vermessentlich, Oft, zum Vorwurf, selbst erlesen, Muß, bey deinem Geiste, sich,

Ohne Zweifel, grösser zeigen, Als die Cörper aller Welt Deinen Cörper übersteigen. Doch bleibt bey dir fest gestellt:

Von dir werde GOtt sich fassen, Und Sein Raht begreifen lassen.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Cörperliche und geistige Grösse. · Barthold Heinrich Brockes · Poetry Cove